Der Ursprung meiner Karriere
Ob Studium, Hobby oder erster Job – die verschiedenen Stationen im Leben prägen nicht nur die Persönlichkeit eines Menschen, sondern auch seine Karriere. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft berichten, wie sie wurden, was sie sind.

Nico
Hofmann

Karriere lässt sich nicht wirklich planen.
Tatsächlich entstand sie für mich durch Begegnungen mit prägenden Persönlichkeiten.
Nico Hofmann
Regisseur, Filmproduzent und Geschäftsführer Ufa
Der Start
Als Schüler (links) haben mich vor allem zwei Dinge interessiert: Journalismus und Film. Mitte der Siebzigerjahre, da war ich 17, habe ich zusammen mit anderen Jugendlichen und Schauspielern vom Nationaltheater Mannheim im Super-8-Format meinen ersten richtigen Film gedreht: „Ballwechsel“. Da habe ich gewusst: Filmemachen soll mein Beruf werden.
Der Jungregisseur
Für die Serie „Schulz & Schulz“ arbeitete ich Anfang der Neunzigerjahre mit Götz George zusammen. Anfangs eine sehr schwierige Begegnung: Er war ein Star, hochgradig energiegeladen, ich ein unerfahrener Art-house-Regisseur. Daraus entstand jedoch eine der wichtigsten Freundschaften in meinem Leben. Sie hat mich auch
beruflich stark geprägt.
Der Produzent
Wie Götz George war Bernd Eichinger eine echte Naturgewalt
– als Regisseur und Produzent über Jahrzehnte die Über-Figur des deutschen Films. Bernd wurde durch den Erfolg von „Der Sandmann“ auf mich aufmerksam. Er rief an: „Komm bitte sofort nach München.“ Und kurz darauf saß ich mit ihm beim Italiener. Dann ging es sofort darum, einen Exklusivvertrag zu schließen. Durch Bernd entdeckte ich meine Liebe zum Produzieren.
Redaktion: Peter Steinkirchner
Fotos: IMAGO, Privat
Grafik & Layout: Marcel Stahn & Sara-Verena Adamsky

Rudolf Wöhrl

Wer fragt, was er verdienen
kann, wird nie Leidenschaft für
seinen Beruf empfinden.
Hans Rudolf Wöhrl
Unternehmer
Der Schulabbrecher
Es fiel mir schon als Kind schwer, etwas gegen meinen Willen tun zu müssen. Ein Angestelltenverhältnis war für mich nie eine Option. Aber dann brach ich in der 12. Klasse meine Schulkarriere ab – und mir blieb nichts anderes übrig, als mit einer Ausbildung zu beginnen.
Der Kaufmann
Mit 18 Jahren beschloss ich, in Nürnberg eine Boutique zu eröffnen.
Ich nannte sie, inspiriert durch ein Schuljahr in London, wo es im Westend ein Einkaufsviertel gleichen Namens gibt, „The Carnaby Shops“. Geld hatte ich wenig. Daher stammte die Einrichtung vom Schrottplatz – und die Ware von mutigen Lieferanten, die wir mit den Umsätzen der ersten Tage bezahlten. Der Erfolg war sensationell. Später, nach meiner Prüfung zum Einzelhandelskaufmann, bezeichnete mich der Vorsitzende des Ausschusses als ersten selbstständigen Lehrling.
Der Pilot
1969 begann ich mit einer Ausbildung zum Privatpiloten. Mir wurde schnell klar, dass die Sportfliegerei schön, aber wenig nützlich ist. Deshalb erwarb ich meine Berufspilotenlizenz und gründete den Nürnberger Flugdienst. Daraus entwickelte sich die heutige Eurowings. Meine Neugierde habe ich mir erhalten. Ich beteilige mich an Start-ups, will mit jungen Menschen Neues schaffen.
Redaktion: Rüdiger Kiani-Kress
Fotos: IMAGO, Privat, LAIF
Grafik & Layout: Marcel Stahn & Sara-Verena Adamsky

Simone Menne

Ich bin neugierig und liebe die Vielfalt, die ich derzeit in meinen Aufsichtsratsmandanten erfahre.
Simone Menne
Multi-Aufsichtsrätin
Der Anfang
Ich bin Einzelkind, und meine Eltern haben beide gearbeitet. Also wuchs ich in der besten aller Welten auf – genoss Geborgenheit und Freiheit. Ich ging schon früh, 1967, auf den Straßen von Kiel auf Abenteuersuche und konnte abends davon berichten. Vielleicht die Grundlage dafür, dass ich gern Risiken eingehe. Trotzdem studierte ich nicht Kunst und Design, obwohl das mein Wunsch war. Sondern folgte dem Rat meiner Eltern: „Mach erst mal etwas Vernünftiges!“ Deshalb absolvierte ich eine Ausbildung zur Gehilfin in wirtschafts- und steuerberatenden Berufen. Anschließend studierte ich BWL.
Das Abenteuer
Nach dem Studium habe ich ab 1987 in der Revisionsabteilung des amerikanischen Konzerns ITT in Frankfurt gearbeitet; zwei Jahre später ging ich zur Lufthansa. Das erste große Abenteuer erreichte mich, als ich 1995 nach Lagos zog, um von Nigeria aus die kaufmännischen Geschicke des Konzerns für Westafrika zu ordnen. Hier musste ich eine Balance finden zwischen Pragmatismus, Improvisation und Compliance. Außerdem sammelte ich erste Führungserfahrung, lernte eine andere Kultur kennen.
Die Managerin
 Für die Lufthansa arbeitete ich in Norderstedt, Paris und London, 2012 wurde ich Finanzvorständin. Als erste Frau auf so einer Position im Dax erhielt ich erneut die Chance, viel zu lernen – und mit herausragenden Menschen zusammenzuarbeiten. Aber meine Neugier trieb mich einmal mehr weiter. Ich heuerte als Finanzvorständin bei Boehringer Ingelheim an und wage seit 2018 – neben Aufsichtsratsmandaten bei BMW und der Deutschen Post – einen Neustart als Galeristin. Mal sehen, was noch kommt. Wie heißt es im „Faust“ so schön? Wer zum Augenblicke sagt: „Verweile doch, du bist so schön“ – der droht, zugrund’ zu geh’n. 
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: Privat
Grafik & Layout: Marcel Stahn

Tarek Müller

Wir respektieren den Input aller Mitarbeiter. Aber wenn wir Entscheidungen fällen, wollen wir nicht, dass darüber noch ewig diskutiert wird.
Tarek Müller
Chef des Onlinemodehändlers About You
Der Schüler
2002, ich war damals 13, baute ich zunächst hobbymäßig Websites. Als ich sie mit Werbung monetarisierte, wurde daraus ein Geschäftsmodell. Der Start ins echte Unternehmertum? Die erste Gewerbeanmeldung 2004. Weil ich erst 15 war, mussten meine Eltern für mich unterschreiben. Ein Jahr später folgte der Einstieg ins E-Commerce-Geschäft mit zwei Onlineshops, einem für Pokerkoffer und einem für orientalische Wasserpfeifen. 
Der Student
Um das Wachstum der Onlineshops und den entsprechenden Kapitalbedarf für Ware und Logistik zu finanzieren, gründete ich 2009 meine erste Digitalagentur und beriet Unternehmen wie Google oder Nike. Nach zwei Jahren zählte ich mehr als 70 Mitarbeiter, 2013 verkaufte ich die Firma an die Otto Group. 
Das Einhorn
2014 startete ich zusammen mit der Otto Group und meinen Mitgründern About You, nach der letzten Investitionsrunde ist unser Unternehmen mehr als eine Milliarde US-Dollar wert – ein sogenanntes Einhorn. Davon gab es in Deutschland vor uns erst fünf. Ein Meilenstein. Ein Traum. 
Redaktion: Daniel Rettig
Fotos: PR, Hamburger Abendblatt/Jochen Gipp, Laif/Christian O. Bruch
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn
Produziert mit Storyflow
Karen Heumann, Dirk Rossmann oder Roland Berger: Entdecken Sie weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft.

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