Der Ursprung meiner Karriere
Ob Studium, Hobby oder erster Job – die verschiedenen Stationen im Leben prägen nicht nur die Persönlichkeit eines Menschen, sondern auch seine Karriere. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft berichten, wie sie wurden, was sie sind.

Dirk
Rossmann

Für mich ist Karriere eine mögliche Folgeerscheinung, nie das Ziel.
Dirk Rossmann Gründer der Drogeriemärkte
Der Anfang
Meine erste Geschäftsidee kam mir in den Sinn, als ich zwölf war. Ich klingelte bei unseren Nachbarn und bot ihnen an, alle Produkte aus der Drogerie meiner Mutter zu besorgen, sie mit meinem Fahrrad frei Haus anzuliefern. Das kam gut an. Ich vergrößerte mein Einsatzgebiet, verdiente nicht schlecht. Die Einkünfte waren mein Startkapital für eine Eigentumswohnung, die ich mit 16 Jahren erwarb.
Die Gründung
Im März 1972 eröffnete ich den ersten Selbstbedienungsdrogeriemarkt. Heute würde man dazu Start-up sagen. Nur dass wir, im Gegensatz zu vielen jungen Unternehmen heute, gleich am ersten Tag volle Kassen hatten. Das Geschäftsmodell übertraf meine kühnsten Erwartungen.
Das Erbe
Damals war ich 25. Die Welt sollte durch das, was wir tun, ein Stück gerechter, sozialer, liebevoller werden. Das ist mir auch heute noch wichtig: die Verantwortung für die Mitarbeiter, der Blick über den Tellerrand hinaus. Um diesen Punkt kreist auch meine Autobiografie, die gerade erschienen ist: Mir imponieren Menschen, die Zivilcourage haben, Haltung zeigen, sich nicht den Mund verbieten lassen. Und diesen Anspruch an andere, den habe ich auch mir selbst gegenüber. 
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: Aus der Biographie von Dirk Rossmann "...Dann bin ich auf den Baum geklettert", Ariston 2018: Privat (2), Stefan Kröger für WirtschaftsWoche, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn, Sara-Verena Adamsky
Produziert mit Storyflow

Gisbert
Rühl

Anfang der 2000er-Jahre gab es das Wort ‚Digitalisierung‘ noch nicht. Wir waren mit unserer Idee der Zeit voraus.
Gisbert Rühl CEO des Stahlhändlers Klöckner & Co
Der Vertrag
Auf diesem Bild aus dem Jahr 1998 unterzeichne ich den Vertrag für ein Joint Venture mit einem Hersteller von Bremsbelägen im chinesischen Hangzhou – mein erster großer Abschluss als CEO des Automobilzulieferers Rütgers Automotive. Dorthin bin ich nach meiner Zeit als Berater bei Roland Berger gewechselt. Ich sollte die internationale Expansion vorantreiben. Eine lehrreiche Zeit, vor allem im Umgang mit anderen Kulturen.
Die Krise
Anfang der 2000er-Jahre arbeitete ich als IT-Vorstand beim Mischkonzern Babcock Borsig. Keine leichte Aufgabe, denn das Unternehmen befand sich in einer Krise. Es hatte jahrelang in die unterschiedlichsten Bereiche investiert, nun herrschte Chaos. Deshalb waren wir zunächst mit der Konsolidierung beschäftigt, und anschließend wurde ich damit beauftragt, eine neue IT-Strategie zu entwerfen. Gemeinsam mit SAP, Cisco und VA Technologies haben wir schließlich eine neue Plattform für den Anlagen- und Maschinenbau aufgebaut. Das Foto mit dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement entstand bei deren Start.
Die Digitalisierung
Ich hatte mir das Programmieren bereits während meines Studiums selbst beigebracht, da ich nachts die Computer meines Studentenjobs nutzen konnte. Dieses technische Grundverständnis hat mir in all meinen Jobs geholfen, aber ganz besonders, als ich 2009 CEO von Klöckner & Co wurde. 2014 starteten wir mit der Digitalisierung des Unternehmens und gründeten die Einheit kloeckner.i in Berlin. Mir war es immer wichtig, mit Digital Natives und Experten auf Augenhöhe zu diskutieren. Wie zum Beispiel auf diesem Bild mit dem Gründungsteam von XOM Materials, der von Klöckner & Co initiierten, offenen Industrieplattform. Heute erwirtschaften wir bei Klöckner & Co bereits mehr als eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr über digitale Kanäle.
Redaktion: Lin Freitag
Fotos: Imago, PR
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn, Sara-Verena Adamsky
Produziert mit Storyflow

Karen
Heumann

Für mich ist Karriere eine mögliche Folgeerscheinung, nie das Ziel.
Karen Heumann Vorstandssprecherin der Werbeagentur thjnk
Freiheit
Meine Kindheit fand draußen und meist barfuß statt. Lieber mal in eine Scherbe treten als Schuhe tragen müssen. Ich hatte abenteuerlustige Eltern, die gerne in entlegene Gegenden fuhren. 1973 war es ein Flecken in Griechenland. Ich erinnere mich an die Freiheit, die ich spürte, wenn die Heimat hinter uns lag. Ich liebte Reisen und Bücher. Karriere war nie etwas, über das ich nachdachte. Mein Beruf sollte Berufung sein. Ich schwankte zwischen Archäologie, Zoologie und Journalismus.
Schönheit
Ich hatte mich 1985 schon in London am King’s College für Kunstgeschichte und Wirtschaft eingeschrieben. Doch vorher unternahm ich eine Reise in den Süden. Ich kam durch Aix-en-Provence und fuhr den Boulevard Cours Mirabeau hinunter. Schöner ging es nicht! Ich änderte meine Pläne und blieb. Am Ende wurden es acht Jahre in Südfrankreich. Nach meinem Abschluss in Wirtschaft gründete ich meine erste Werbeagentur. Mein Ziel war nie, nach oben zu streben, sondern Erfüllung zu finden.
Erfüllung
1994 kam ich zurück nach Deutschland. Seitdem habe ich Markenstrategien entworfen, seit 2003 auf Vorstandsebene, meist als Partner, bei Leagas Delaney und Jung von Matt, heute als Vorstand der Kommunikationsagentur thjnk. Wenn eine Strategie verfängt, der Erfolg eintritt, hat sich aller Einsatz gelohnt. Vor drei Jahren haben wir den ersten deutschen Global Effie gewonnen. Der Effie ist ein Wettbewerb, in dem neben Kreativität auch die Wirkung von Kampagnen prämiert wird – also exakt das, woran ich glaube.
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: PR, Privat
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn
Produziert mit Storyflow

Roland Berger

Am Anfang hatte ich nichts Großes im Sinn. Ich wollte nur genug Geld für ein bürgerliches Leben verdienen.
Roland Berger Gründer Roland Berger Strategy Consultants
Wäscherei
Schon während meines Studiums wollte ich auch praktisch arbeiten. Weil damals viele Frauen nicht mehr von Hand waschen wollten, sich aber kaum jemand eine Waschmaschine leisten konnte, eröffnete ich 1958 eine Wäscherei. Der Druck war groß, denn meine Mutter hatte hierfür einen Kredit über 35 000 D-Mark aufgenommen. Im Falle eines Scheiterns wäre meine Familie pleite gewesen. Also war ich gezwungen, erfolgreich zu sein.
Italien
Ich war immer neugierig auf andere Kulturen. Und so absolvierte ich ein Praktikum bei einer Bank in Rom, dort entstand dieses Foto. 1962 kehrte ich nach Italien zurück und stieg bei der Strategieberatung Pietro Gennaro Associati in Mailand ein. Mir gefiel es, mit Entscheidern im internationalen Kontext zu arbeiten. Auch deshalb trieb ich die Auslandsexpansion meiner eigenen Beratung später zügig voran.
Gründung
Das Wichtigste für Berater – neben Know-how, Kompetenz und Kreativität – sind persönliche Beziehungen, die auf Leistung und Integrität beruhen. Das begriff ich nach der Gründung meiner Beratung 1967 noch deutlicher. Mit Ende 20 musste ich Vorstandschefs überzeugen, meinem Rat zu vertrauen. Drei Dinge waren wichtig: inhaltlich perfekt vorbereitet sein, die Erwartungen der Auftraggeber übererfüllen und wissen, wie man mit hochrangigen Persönlichkeiten umgeht.
Redaktion: Kristin Schmidt
Fotos: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche, Interfoto, Privat, Action Press
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn
Produziert mit Storyflow
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