Helden des Mittelstands
Mal entwickeln sich Umsätze anders als geplant, die IT-Probleme sind größer als erwartet oder Fachkräfte Mangelware. Wir porträtieren jede Woche einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat.
Stefan Grimm
Geschäftsführer GKS Handelssysteme
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 7:
Stefan Grimm
Geschäftsführer GKS Handelssysteme
Das Problem
GKS betreibt restposten.de, einen Onlinemarktplatz für Überbestände. Dafür braucht GKS Programmierer. Doch deutsche Fachleute sind teuer und rar.
Die Lösung
Weil deutsche IT-Experten Mangelware sind und nicht in die Nähe Solingens umziehen wollen, hat sich GKS-Chef Grimm im Ausland umgeschaut – und kauft nun Expertise in Vietnam ein. Das südostasiatische Land hat viele gut ausgebildete Programmierer, außerdem nutzt Vietnam das lateinische Schriftsystem. IT-Firmen in der Hauptstadt Ho Chi Minh City programmieren bereits für zahlreiche deutsche Onlineunternehmen.
Die Umsetzung
GKS kooperiert mit einem IT-Dienstleister aus Ho Chi Minh City, der mehr als 140 Entwickler beschäftigt. Vier von ihnen programmieren nun für GKS. Mehrmals im Jahr fliegen deutsche Manager für ein paar Tage nach Vietnam, um mit den Kollegen Details zu besprechen. Ansonsten tauschen sich die Teams täglich per Videochat aus. Die Zusammenarbeit sei effizient, sagt Grimm. GKS überlege, noch mehr Programmierer zu engagieren.
4
IT-Experten in Vietnam pflegen den Onlinemarktplatz von GKS. Das Solinger Unternehmen kann bei Bedarf jederzeit weitere Programmierer dazuholen.
Redaktion: Jacqueline Goebel; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
Hans-Ewald Reinert
Chef der H. & E. Reinert Westfälische Privat-Fleischerei GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 6:
Hans-Ewald Reinert, 55
Chef der H. & E. Reinert Westfälische Privat-Fleischerei GmbH
Das Problem
Durch Antibiotika in der Massentierhaltung gibt es mehr multiresistente Keime in der Umwelt. Das gefährdet Menschenleben – und bringt Wurst und Fleisch in Verruf.
Die Lösung
Reinert will Wurst aus antibiotikafreier Aufzucht anbieten. Vergebens verhandelt er 2015 mit deutschen Schweinezüchtern. 2016 einigt er sich mit dem Großschlachter Danish Crown, der in einem Pilotprojekt Schweine ohne Antibiotika aufzieht – artgerechter und gesünder. Reinert, der pro Jahr 20 000 Tonnen Schweinefleisch in Salami und Lyoner verwurstet, entwickelt die Marke „Herzenssache“.
Die Umsetzung
Reinert vereinbart exklusiv die Belieferung mit dem dänischen Fleisch. Der Nachschub ist vorläufig gesichert – und die Marktführerschaft in der Nische. -Reinerts erste antibiotikafrei entstandene Wurst liegt seit Anfang Juli in den Supermärkten. Das Versprechen „aus antibiotikafreier Aufzucht“ will er schrittweise auf seine komplette Produktpalette ausweiten. Im Schnitt liegt der Verkaufspreis 20 Prozent über konventioneller Ware.
2000
Tonnen Wurst aus antibiotikafreier Aufzucht will Reinert bereits 2020 jährlich herstellen – zehn Prozent seiner gesamten Markenproduktion.
Redaktion: Harald Schumacher; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
Konstantin von Alvensleben
Vorsitzender der Geschäftsführung bei Riemser Pharma
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 5:
Konstantin von Alvensleben, 60
Vorsitzender der Geschäftsführung bei Riemser Pharma
Das Problem
Viele Ärzte weigern sich inzwischen, Pharmareferenten zu empfangen. Ihnen sind die Gespräche mit den Außendienstlern zu nervig und zeitaufwendig.Viele Ärzte weigern sich inzwischen, Pharmareferenten zu empfangen. Ihnen sind die Gespräche mit den Außendienstlern zu nervig und zeitaufwendig.
Die Lösung
Riemser hat den Kontakt zu den widerspenstigen Ärzten ausgegliedert – und zwar an eine Agentur mit promovierten Fachkräften. Die begegnen den Medizinern auf Augenhöhe und bearbeiten alle Praxen, die persönliche Besuche ablehnen. Sie fragen nach Präferenzen der Ärzte, etwa danach, auf welchen Kanälen sie alternativ erreicht werden wollen – per Telefon, E-Mail oder Fax. Zum Service gehört auch ein personalisierter Newsletter.
Die Umsetzung
Die Idee brauchte Zeit. Zunächst mussten die neuen Kollegen die Riemer-Produkte kennenlernen. Dann folgte der Beziehungsaufbau zu den schwierigen Ärzten – mitunter hartnäckig in etlichen Telefonaten und E-Mails über einen Zeitraum von gut sechs Monaten. Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Absatz des Präparats Akzyneo, das Brechreiz und Übelkeit bei Tumorbehandlungen unterdrückt, wuchs zweistellig.
36
Prozent mehr verkaufte Packungen für das Antibrechreizmittel Akzyneo, weil sich Riemser promovierte Vertriebsmitarbeiter von außen holte.
Redaktion: Jürgen Salz; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
Daniel Zahn
Geschäftsführender Gesellschafter Zahn Pinsel
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 4:
Daniel Zahn, 42
Geschäftsführender Gesellschafter Zahn Pinsel
Das Problem
Zahn lieferte Pinsel als Massenware an Handelsriesen, die immer mehr Marktmacht gewannen. Der Preisdruck war massiv, die kleine Gewinnmarge schrumpfte bedrohlich.
Die Lösung
Von der Masse zur Nische gab Zahn als Parole aus, um sein Unternehmen und die damals 60 Arbeitsplätze im mittelfränkischen Bechhofen langfristig zu sichern. Für anspruchsvolle Marken der Segmente Kunst, Kosmetik, Malerhandwerk und Zahntechnik entwickelt Zahn seitdem hochwertige Pinsel. Die Kunden vermarkten sie unter eigenen Namen. Sogar in Industriemaschinen – etwa in den Fabriken führender Autohersteller – stecken Produkte von Zahn.
Die Umsetzung
Das Umsteuern war ein Kraftakt. Um Kontakt zu neuen Kunden zu bekommen, warb Zahn Mitarbeiter aus anderen Branchen an. Der Wirtschaftsingenieur und Pinselmachermeister bildete Fachkräfte für die anspruchsvollere Fertigung aus. Den Flächenvertrieb schaffte er ab. Inzwischen wächst sein Auftragseingang zweistellig. Zahn hat zehn neue Jobs geschaffen und die Umsatzrendite verdreifacht. Jetzt baut der 42-Jährige einen neuen Firmensitz.
40
Prozent mehr Umsatz als 2013 erzielt Zahn, weil hochwertige Pinsel teurer verkauft werden können. Der Mittelständler setzt sieben Millionen Euro um.
Redaktion: Harald Schumacher; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
Heiko Zemmler
Geschäftsführer Zemmler Siebanlagen
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 3:
Heiko Zemmler
Geschäftsführer Zemmler Siebanlagen
Das Problem
Zemmler montiert Siebanlagen für Sand und Kies. Welche Stahlteile in welchem Zustand geliefert werden, hielten Mitarbeiter auf Papier fest – ineffizient.
Die Lösung
Auf Papier verzichten. Mitarbeiter in der Stahlannahme erfassen Materialien, Mengen und Mängel nun digital auf dem Tablet. Sie gleichen Bestellungen mit Konstruktionszeichnungen ab und dokumentieren Fehler direkt auf der Benutzeroberfläche (Dashboard). Reklamationen gehen am gleichen Tag raus, jeder Mitarbeiter kann alle Bestellungen sehen. Das schafft Transparenz. Die Produktion kann besser planen und auf Probleme reagieren.
Die Umsetzung
Zemmler holte sich wissenschaftliche Expertise: Mitarbeiter der Technischen Hochschule Brandenburg haben die Prozesse digitalisiert. Zuerst analysierten sie die Arbeitsabläufe und befragten Mitarbeiter. Dann programmierten sie das Dashboard, testeten es in der Praxis und ließen die Wünsche der Angestellten mit einfließen. Das Ganze dauerte ein Jahr. Seit März ist die Warenannahme papierlos. Und Zemmler will mehr digitalisieren.
20
Prozent Zeit sparen Mitarbeiter des Mittelständlers aus der Lausitz in der Warenannahme, seitdem sie angelieferte Materialien via Tablet dokumentieren.
Redaktion: Michael Scheppe; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
Roy Thyroff
Leiter V. Fraas Solutions in Textile
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 2:
Roy Thyroff
Leiter V. Fraas Solutions in Textile
Das Problem
Klamotten in Bayern herzustellen haben viele Betriebe aufgegeben. Keine gute Perspektive für eine Schalweberei. Doch was macht ein spezialisierter Textilhersteller anderes?
Die Lösung
Die Textilfasern von V. Fraas aus Oberfranken sind nicht nur fein und zart, sondern taugen auch für knallhart. Statt sich nur auf elegante Stoffe für Auftraggeber wie Hugo Boss und Tchibo zu konzentrieren, produziert die Firma jetzt auch Spezialfasern aus dem Kohlenstoff Carbon für die Bauindustrie – als Ersatz für Stahl im Stahlbeton. Der weltweite Marktführer für Kaschmir-, Woll- und Seidenumhänge macht so aus Schal-Know-how Neugeschäft.
Die Umsetzung
V. Fraas hat sich mit Forschern der Technischen Universität Dresden zusammengetan. Die Zulassung des Baustoffs für den Außenbereich erwartet Thyroff im kommenden Jahr. Bis 2023 könnte ein Fünftel des pro Jahr verbauten Stahlbetons durch Textilbeton ersetzt werden. 700 Mitarbeiter von V. Fraas, die 70 Millionen Euro umsetzen, könnten so vom Milliardengeschäft Bau profitieren. Das ist Krisenprävention nach Lehrbuch.
200
Jahre lang sollen Brücken und Gebäude halten, wenn sie mit Textilbeton gebaut werden. Das ist vier Mal so lange wie bei Stahlbeton, der korrodiert.
Redaktion: Harald Schumacher; Foto: Christof Busse
Produziert mit Storyflow
Rainer Gläß
Geschäftsführer GK Software
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 1:
Rainer Gläß
Geschäftsführer GK Software
Das Problem
Der Firmensitz im Süden Sachsens. Schöneck im Vogtland nahe Tschechien ist schön, aber für Softwareentwickler unattraktiv. Wie kann GK Fachkräfte gewinnen?
Die Lösung
Wenn die IT-Experten nicht nach Sachsen kommen, geht GK Software eben zu ihnen. GK-Chef Gläß steuert den 1990 gegründeten IT-Dienstleister für Filialisten im Einzelhandel als Netzwerkorganisation mit 13 Standorten und einer möglichst kleinen Zentrale. Am Hauptsitz arbeitet nur jeder Vierte der rund 1000 Beschäftigten. Dafür erhalten Mitarbeiter dort maximale Unterstützung: Vertrauensarbeitszeit, kostenlose Ski- und Salsakurse, eine Kita.
Die Umsetzung
Um Mitarbeiter aus den Dependancen für intensive Projektbesprechungen optimal einzubinden, baut GK Software in Schöneck den Firmencampus aus, vor allem durch ein aufwendiges Gästehaus. Das nimmt die aus Berlin, Hamburg oder Köln sowie den ausländischen Standorten wie etwa Moskau und Pilsen angereisten Experten auf. Auf dem Campus können sie auch ein firmeneigenes Restaurant und ein Sportstudio nutzen.
17
Prozent mehr Umsatz machte GK Software 2017. Dem viel beklagten Fachkräftemangel wirkt der IT-Dienstleister aus Sachsen dynamisch entgegen.
Redaktion: Maurice Shahd; Foto: PR
Produziert mit Storyflow
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