Helden des Mittelstands

Mal entwickeln sich Umsätze anders als geplant, die IT-Probleme sind größer als erwartet oder Fachkräfte Mangelware. Wir porträtieren jede Woche einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat.

Christopher Holtz-Kathan
Geschäftsführender Gesellschafter
Holtz Office Support
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 43:

Christopher Holtz-Kathan

Geschäftsführender Gesellschafter Holtz Office Support

Das Problem
Der Büromittelhersteller kämpft mit Konkurrenz aus Asien. Deren Produkte wie Flipcharts unterscheiden sich äußerlich kaum von den Holtz-Produkten.
Die Lösung
Christopher Holtz-Kathan, Enkel des Gründers, setzt auf ein Redesign seiner Produkte. Magnetische Tafeln, Präsentationswände und Flipcharts sollen nicht nur mit deutscher Qualität punkten, sondern mit modernem Design: klare Linien, abgerundete Alurahmen und verkorkte Rückwände für Notizen. Dafür hat der Unternehmer den Produktdesigner
Oliver Neuland beauftragt, der rund 2000 Artikeln ein neues Design verpasst hat.
Die Umsetzung
Holtz lässt Hochglanzkataloge für Büroausstattung erstellen und präsentiert die Produkte dafür aufwendig fotografiert im Naturkundemuseum in Berlin und in der hessischen Staatsoper – ein Novum in der Branche. Designpreise sorgen für Aufmerksamkeit. Die Wiesbadener erhalten Aufträge von der Europäischen Zentralbank und vom Bundesnachrichtendienst, die ihre neuen Zentralen mit Holtz-Produkten ausstatten.
21
Millionen Euro Umsatz macht Holtz Office Support mit 60 Mitarbeitern. Der Umsatz ist in den vergangenen drei Jahren zweistellig gewachsen.
Text: Angela Hennersdorf
Foto: PR
Alexander Rittlinger
Geschäftsführer Reh Kendermann Weinkellerei
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 42:

Alexander Rittlinger

Geschäftsführer Reh Kendermann Weinkellerei

Das Problem
Rot- und Weißweine gibt es in Supermärkten und bei Discountern inzwischen in Hülle und Fülle. Wie schafft man es mit einer neuen Marke ins Regal?
Die Lösung
Storytelling und individuelle Produkte. Reh Kendermann aus Bingen am Rhein hat exklusive Kooperationen geschlossen und entwickelt Produkte, die eine Geschichte erzählen. So erfand die Weinkellerei für die Kölner Rewe-Gruppe den Projektwein „Napier 14 Homes“ – und lieferte die passende Geschichte gleich mit. Sie handelt vom südafrikanischen Weingut Napier Vineyards, das einen Teil der Einnahmen den Mitarbeitern abgibt.
Die Umsetzung
Das Weingut hat für die Belegschaft und ihre Angehörigen 14 moderne Wohnhäuser
errichtet. Unter dem Motto „A good wine for a better life“ finanzieren Konsumenten mit dem Kauf des Cuvée aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot auch einen Teil der Schulbildung der Kinder. Die Produktstory, Fotos der Mitarbeiter und handgemalte
Illustrationen transportieren die Story auf jeder einzelnen Flasche.
50
Erwachsene und Kinder, davon 14 Farmarbeiter, profitieren vom Projektwein „14 Homes“.
Text: Mario Brück
Foto: PR
Nils Müller
Verkaufsleiter bei Breuer Nachrichtentechnik
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 41:

Nils Müller

Verkaufsleiter bei Breuer Nachrichtentechnik

Das Problem
Breuer rüstet Autos mit Messgeräten und Monitoren aus, die viel Strom verbrauchen. Um sie einzeln abschalten zu können, müssten teure Kabel verlegt werden.
Die Lösung
Breuer steuert den Stromverbrauch im Fahrzeug über einen Tablet-Computer, der die Geräte per drahtloser WLAN-Technik nur bei Bedarf einschaltet. Eine Software aktiviert nur die jeweils notwendigen Energieverbraucher. Der Einbau teurer Kabelstränge und Schalter entfällt. Die Stromersparnis reicht aus, um aufwendige Mess- und Kontrollfahrten in Zukunft auch mit Elektroautos machen zu können.
Die Umsetzung
Die Ingenieure von Breuer rüsten Kontrollfahrzeuge aus, die auf Autobahnen im Vorbeifahren die Brems- und Reifentemperatur von Lastwagen messen, etwa per Wärmebildkameras. Gefährliche Fahrzeuge ziehen sie aus dem Verkehr.
Mit der neuen Technik erhöhen sich die Zahl der kontrollierten Fahrzeuge und die Trefferquote. Dank der kabellosen Messgeräte lässt sich das System in Einsatzfahrzeugen schnell ein- und ausbauen. 
70
Mitarbeiter beschäftigt die familiengeführte Breuer Nachrichtentechnik in Bonn und macht einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro. 
Text: Jürgen Berke
Foto: PR
Alexandra Krotki
Geschäftsführerin Alexmenü
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 40:

Alexandra Krotki

Geschäftsführerin Alexmenü

Das Problem
Für die voll ausgelastete Großküche des Cateringbetriebs forderte die Gewerbeaufsicht seit Jahren eine stärkere Lüftungsanlage – für die aber kein Platz war.
Die Lösung
Die diplomierte Bauingenieurin Krotki suchte selbst einen Ausweg aus dem Dilemma. Sie plante die neue Lüftung nicht im, sondern auf dem Gebäude. Ein Fachbetrieb installierte vor acht Wochen die 30 Tonnen schwere Anlage. Getragen wird sie von einer Stahlkonstruktion, die die 18 Meter langen Lüftungsschächte über das eigens durchbrochene Dach in die Produktionshalle führt.
Die Umsetzung
Die 45 Köche und Produktionsmitarbeiter in der Großküche sind nun viel weniger von Kochdunst, Gerüchen und Wärme geplagt. 300.000 Euro kostete die Anlage, die Ende März in Betrieb gehen soll. Auch während der Baumaßnahme konnten die täglich 15.000 Essensportionen ohne Unterbrechung an Kindergärten, Schulen und Senioren in der Region Magdeburg ausgeliefert werden. Der lange Zeit drohende Zwangsumzug von Alexmenü ist abgewendet.
500
Liter fassen die Kochtöpfe der Großküche von Alexmenü. Den Umsatz konnte der Cateringbetrieb in den vergangenen Jahren auf zehn Millionen Euro verdoppeln.
Text: Harald Schumacher
Foto: PR
Christian Zimmer
Leiter Bierherstellung Brauerei Lübz
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 39:

Christian Zimmer

Leiter Bierherstellung Brauerei Lübz

Das Problem
Mitarbeiter haben sich immer wieder verletzt, wenn sie für die Produktion von Pils, Export und Schwarzbier Rohre verschraubt haben.
Die Lösung
Ein Sicherheitsschlüssel mit vier Nuten, die exakt auf die Schrauben passen, die in Brauereien typischerweise verwendet werden. Mitarbeiter können bei Kraftanwendung nun nicht mehr abrutschen. Bis dahin hatte fast jeder Mitarbeiter Rohre und Nutmuttern mit einem Universalwerkzeug, dem Gelenkhakenschlüssel, verschraubt. Der greift zwar bei jeder Mutter, aber eben nicht passgenau. Das führte zu Arbeitsunfällen.
Die Umsetzung
Produktionsleiter Zimmer, der in der mecklenburgischen Brauerei Lübz für 30 Mitarbeiter verantwortlich ist, telefonierte mit fast 50 Werkzeugherstellern, bis er im Ingenieurbüro und Maschinenbauer Messmann Service aus Papenburg einen Partner fand, der das neue Werkzeug entwickelte. Die Vorteile des Sicherheitsschlüssels haben sich in der Branche herumgesprochen – er wird auch bei anderen Brauereien zum Einsatz kommen.
150
Bestellungen für den Sicherheitsschlüssel gingen bei Messmann in wenigen Tagen ein. Und Lübz rechnet mit weniger Arbeitsunfällen.
Text:  Mario Brück
Foto: PR
Rainer Krings
Geschäftsführer Mendiger Basalt Schmitz Naturstein
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 38:

Rainer Krings

Geschäftsführer Mendiger Basalt Schmitz Naturstein

Das Problem
Sprengungen im Steinbruch sind kostengünstig, aber laut. Anwohner und Politik forderten ein Ende der Erschütterungen. Neue Abbauverfahren waren nötig.
Die Lösung
Hydraulikhämmer. Sie zerstören das Gestein mit ähnlicher Wucht, vermeiden aber donnernde Vibrationen. Allerdings verschleißen sie schnell und kommen bei dem lavahaltigen und schwammartigen Eifel-Gestein teilweise an Grenzen. Krings investierte daher in mehrere Hämmer, die eine Kraft von mehreren Tonnen auf das Gestein ausüben. Sein Zehn-Tonnen-Hammer ist bis zu 2000 Stunden pro Jahr im Einsatz – so lange wie nirgends in Europa.
Die Umsetzung
Die Suche nach Alternativen verlief über Jahre. Teure Ersatzteile machten Hydraulik­hämmer zunächst unwirtschaftlich. Jedes Jahr rissen mehrere Meißel. Krings, der sich einen „empirischen Entwickler“ nennt, ließ die Geräte während des Betriebs besser schmieren und staubdicht abdecken. Neue Materialien machten die Meißel haltbarer. Heute setzt der Betrieb 10,5 Millionen Euro um – dreimal so viel wie zu Sprengzeiten.
2,20
Euro kostet der Abbau von einer Tonne Gestein für die Schotterindustrie. Damit liegt der Hydraulikhammer auf dem Kostenniveau von Sprengungen.
Text: Maik Mosheim
Foto: PR
Text: Maik Mosheim
Foto: PR
Sven Ludwig
Prokurist bei Exklusiv Wohnbau
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 37:

Sven Ludwig

Prokurist bei Exklusiv Wohnbau

Das Problem
Der Mittelständler aus Detmold entwickelt bundesweit Wohnimmobilien. Die Nachfrage ist groß. Doch für neue Projekte braucht das Unternehmen Eigenkapital.
Die Lösung
Exklusiv Wohnbau finanziert Projekte zunächst mit eigenem Geld und nimmt später Kredite bei Banken auf. Das Eigenkapital ist bis zur Fertigstellung gebunden. Der Mittelständler will den eigenen Einsatz refinanzieren und wendet sich über die Investmentplattform Zinsland direkt an Anleger. Das von ihnen eingesammelte Geld ist ein Nachrangdarlehen, das im Haftungsfall hinter andere Forderungen zurücktritt. Dafür gibt es sechs Prozent Zins. Das Darlehen zählt als Eigenkapital.
Die Umsetzung
Das Unternehmen präsentiert auf der Zinsland-Plattform detailliert ein Projekt mit 29 Eigentumswohnungen in Siegburg. Dazu informiert es über die eigene Historie und präsentiert den Jahresabschluss. Die Transparenz kommt an: Bei 256 Anlegern sammelt Exklusiv Wohnbau binnen zwölf Minuten 600 000 Euro ein. Die Transaktion setzt Kapital für neue Vorhaben frei. Demnächst soll ein zweites Projekt folgen.
1701
Wohnungen hat Exklusiv Wohnbau in Deutschland bisher geplant und realisiert, ihr Wert soll bei insgesamt 371 Millionen Euro liegen. 
Text:  Cornelius Welp
Foto: PR
Herbert Jücker
Bauunternehmer
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 36:

Herbert Jücker

Bauunternehmer

Das Problem
Das Unternehmen aus Selm im Münsterland ist auf Innenumbau spezialisiert. Der dabei entstehende Staub ist ungesund und schreckt Auftraggeber ab.
Die Lösung
Jücker und sein 15-köpfiges Team entwickeln ein innovatives System, das die Belastung minimiert. Das ermöglicht komplexe Sanierungsarbeiten in Wohnhäusern, ohne dass die Bewohner zeitweise ausziehen müssen. Mit dem System hat Jücker Aufträge in Museen und Krankenhäusern gewonnen und eine Sparkassenfiliale staubarm saniert.
Die Umsetzung
Folienwände schirmen die Baustellen im Gebäude ab, staubabsorbierende Arbeitsgeräte und die Steuerung der Luft mithilfe von Überdruck machen sie zu fast staubfreien Zonen. Der verbesserte Gesundheitsschutz erleichtert zudem die Akquise neuer Mitarbeiter. Die zuständige Berufsgenossenschaft sieht Jücker als Vorbild. Seine Erfahrung will der Bauunternehmer nun mit einer eigenen Beratung zum neuen Geschäftsfeld machen.
35
Bauarbeiter sterben in Deutschland nach Angaben der Berufsgenossenschaft jährlich an durch Baustaub ausgelösten Lungenkrankheiten.
Text:  Harald Schumacher
Foto: PR
Sebastian Braun
CEO und Gesellschafter
Cheplapharm Arzneimittel GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 35:

Sebastian Braun

CEO und Gesellschafter Cheplapharm Arzneimittel GmbH

Das Problem
Das Unternehmen kauft Herstellern ältere Arzneimarken ab. Dafür braucht es ständig Geld. Das soll nicht nur über Bankkredite kommen.
Die Lösung
Das Unternehmen aus Greifswald wagte sich an den Londoner Kapitalmarkt und
sammelte bei institutionellen Investoren mehr als eine Milliarde Euro ein. Der größte Teil stammt aus einem langfristigen Darlehen, das nicht schrittweise, sondern erst am Ende der Laufzeit getilgt werden muss. Das ist zwar teurer als ein herkömmlicher Bankkredit, verschafft Cheplapharm aber mehr Flexibilität. Das Geld kann das Unternehmen nun in
Wachstum investieren.
Die Umsetzung
Damit sich Cheplapharm über den Kapitalmarkt finanzieren konnte, brauchte das
Unternehmen ein externes Rating. Außerdem musste es einen umfangreichen Informationsprospekt vorlegen. Die Finanzabteilung, die gerade mal aus zehn Mitarbeitern besteht, war damit überfordert. Deshalb holte sich der Pharmafabrikant Hilfe bei der Investmentbank GCA Altium. Heute hat Cheplapharm Ratings der Agenturen Moody’s und S&P.
85
Zukäufe hat Cheplapharm in jüngster Zeit getätigt.
Der Umsatz stieg von 80 (2015) auf 318 Millionen Euro (2018). Die weitere Finanzierung ist gesichert.
Text:  Jürgen Salz
Foto: PR
Erlfried Baatz
Geschäftsführender Gesellschafter Schilkin
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 34:

Erlfried Baatz

Geschäftsführender Gesellschafter Schilkin

Das Problem
In Deutschland stagniert der Schnapskonsum seit Jahren. Schilkin produziert viel Billigware für Discounter, die eigenen Marken sind angestaubt.
Die Lösung
Schilkin-Gesellschafter und Ex-Oetker-Top-Manager Baatz beendet das
margenschwache Geschäft mit Aldi, Netto und Co. Stattdessen konzentriert er sich auf die eigenen Marken Berliner Luft, Schilkin Wodka und den Ex-DDR-Klassiker Goldbrand. Dem reichlich abgestandenen Trio verpasst er eine radikale Verjüngungskur.
Die Umsetzung
Das Design des klaren Pfefferminzlikörs Berliner Luft wechselt nun jährlich. Geschmacksvarianten wie Schoko, Orange und Ananas-Cocos sowie limitierte Editionen wie Glitter Nights und Underground erweitern die Schnaps-Palette. Schilkin wirbt mit einem Model mit grünen Haaren und Nasenpiercing sowie Sprüchen wie „Einmal Zähneputzen“. Das etabliert das Getränk in der Szenegastronomie und auf Studentenpartys.
6
Millionen 0,7-Liter-Flaschen Berliner Luft verkaufte Schilkin 2018 - 120 Prozent mehr als 2017. Keine andere Spirituosenmarke wuchs stärker.
Text:  Mario Brück
Foto: PR
Mathias Leilich
Geschäftsführer Finanzen &
Organisation KZWO
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 33:

Mathias Leilich

Geschäftsführer Finanzen & Organisation KZWO

Das Problem
Die Herstellung von Polstern für Wohnmobile, Yachten und Kreuzfahrtschiffe verursacht viel Abfall und belastet das Klima. Kunden drängen auf Veränderung.
Die Lösung
Polster nach Maß. Das Unternehmen aus Fulda entwirft Schnitte, bevor sie in die Produktion gehen, neuerdings am Computer. Finanzchef Leilich und seine zwei Mitgeschäftsführer haben dafür die Herstellung komplett umorganisiert, neue Planungssoftware und Nähmaschinen gekauft. So spart sich das Unternehmen die Vorproduktion eines Prototyps, generell fällt weniger Abfall bei Bezugsstoffen und klimaschädlichen Schaumstoffen an.
Die Umsetzung
KZWO entwirft die Polster auf dem Rechner mithilfe von CAD-Software (Computer Aided Design) aus Israel. Das Programm sendet die Designdaten direkt an die Schneide- und Nähmaschinen. Die Polster bleiben so das Ergebnis von Manufakturarbeit nach individuellen Kundenwünschen, die Produktion erfolgt aber jetzt vollautomatisch. Das senkt den Materialverbrauch an Textilien, Holz und Schaumstoff.
6
Millionen Umsatz machte KZWO im vergangenen Jahr – mehr als doppelt so viel wie vor Einführung der neuen Technik im Jahr 2015
Text:  Rüdiger Kiani-Kress
Foto: PR
Gunnar Heithecker
Marketingleiter
Bad Heilbrunner
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 32:

Gunnar Heithecker

Marketingleiter Bad Heilbrunner

Das Problem
„Arzneitee“, das klingt nach Krankheit und Stärkungsmittel für Senioren. Wie lassen sich jüngere Konsumenten für so ein Produkt begeistern?
Die Lösung
Tee in Pulverform. Die Bayern haben die klassischen Teebeutel durch einzeln portionierte Sticks ersetzt, in denen sich hoch konzentrierte Naturextrakte in Pulverform befinden. Das Pulver ist schnell zubereitet, mit heißem oder teils kaltem Wasser. Ohne Umrühren und ohne Ziehzeit soll der Tee sofort trinkfertig sein. Die einfarbigen Sticks wirken optisch
weniger wie ein Gesundheitstee, sondern mehr wie ein Tee für zwischendurch.
Die Umsetzung
Vier Teesorten im Stickformat hat Bad Heilbrunner auf den Markt gebracht: den Brust- und Hustentee, den Schlaf- und Nerventee, Immun Aktiv und Basisch Aktiv. Dafür werden Kräuter, Blüten und Früchte im Produktionsprozess extrahiert. Pro Sorte investierte das Unternehmen eine sechsstellige Summe in die Entwicklung. Bad Heilbrunner glaubt, dass
sich die Sticks daher nur schwer von der Konkurrenz nachahmen lassen.
1,8
Millionen Packungen Arzneitees in Sticks will Bad Heilbrunner im ersten Jahr nach Einführung verkaufen.
Text:  Mario Brück
Foto: PR
Martin Bauer
Emil Bauer & Söhne
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 31:

Martin Bauer

Emil Bauer & Söhne

Das Problem
Der Klimawandel bedroht den Weinanbau. Bestimmte Rebsorten vertragen hohe Temperaturen nur in Maßen. Dauerhitze kann Ernten zerstören.
Die Lösung
Robustere Rebsorten. Auf den etwa 30 Hektar seines Weinguts in Landau-Nußdorf in der Südpfalz wachsen bei Winzer Bauer jetzt zahlreiche Rebsorten aus Südeuropa. Ihre Wurzeln reichen tiefer ins Erdreich. Sie brauchen daher weniger Wasser und profitieren von direkter Sonneneinstrahlung. Im Sommer 2018 ging „mir bei meinen Weißweinen langsam die Luft aus“, sagt Bauer, „aber um die roten habe ich mir keine Sorgen gemacht“.
Die Umsetzung
Vor acht Jahren übernahm Bauer das Weingut „Emil Bauer & Söhne“ gemeinsam mit seinem Bruder von Vater und Onkel. Die hatten hier, in der als „Toskana Deutschlands“ beworbenen Gegend, bereits mit neuen Anpflanzungen begonnen. Die nächste Generation investierte kräftig: Ein neuer Scanner, mit dem die sensibleren roten Trauben auf ihren Reifegrad untersucht werden, kostete „etwa so viel wie ein Einfamilienhaus“, so Bauer.
7
Jahre brauchten die neuen Rebstöcke der Sorten Nebbiolo oder Sangiovese, bis sie auf Pfälzer Boden die ersten verwertbaren Erträge lieferten.
Text:  Manuel Heckel
Foto: PR
Florian Arens, Horst Ripke
Inhaber Econtech
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 30:

Florian Arens, Horst Ripke

Inhaber Econtech

Das Problem
Econtech verlegt Glasfaserleitungen, indem es Kabel in die Erde pflügt. Beim Ausbau auf weichem Boden kommen die Traktorreifen aber nur langsam voran.
Die Lösung
Ketten statt Räder. Econtech ersetzt die Traktorreifen des Kabelpfluges durch ein Raupenlaufwerk und kann damit Glasfaser künftig auch auf unbefestigtem Untergrund abseits von Straßen und Feldwegen effizient und schnell verlegen. Weil die Kabelpflüge auch links und rechts entlang der Fahrzeuge Schneisen ziehen können, hält Econtech die Auflagen von Umweltbehörden ein: Das schont Grünzonen wie Hecken und Böschungen.
Die Umsetzung
Econtech geht ins Risiko und investiert in die Hoffnung, dass Deutschland beim Glasfaserausbau aufholt. Einer der vier Kabelpflüge steht mit Raupenlaufwerk einsatzbereit im Fuhrpark – das Einsatzspektrum der Kabelpflugmaschinen vergrößert sich. Schweres Gelände wird überwindbar. Die beiden Econtech-Gründer hoffen auf zusätzliche Großaufträge.
20
Mitarbeiter beschäftigt das 2009 gegründete Bauunternehmen, das seinen Umsatz stetig auf inzwischen zwei Millionen Euro gesteigert hat.
Text:  Jürgen Berke
Foto: PR
Thomas Taferner
Leiter Vertrieb und Marketing bei Telenot
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 29:

Thomas Taferner

Leiter Vertrieb und Marketing bei Telenot

Das Problem
Telenot kämpft gegen asiatische Wettbewerber, die den Markt für Alarmanlagen mit Billigware fluten. Andere deutsche Hersteller haben aufgegeben.
Die Lösung
Individualisierung nach dem Baukastensystem: Telenot liefert, was Firmenkunden haben wollen – ob es sich nun um kleine Juwelierläden oder große Supermarktketten wie Rewe oder Edeka handelt. Sie können etwa beliebig viele Bewegungsmelder oder Zugangssperren zum Grundgerüst der Alarmanlage hinzufügen. Das unterscheidet die Alarmanlagen von denen von der Stange, die in Elektromärkten verkauft werden.
Die Umsetzung
Nachdem sich der Kunde für eine individuelle Lösung entschieden hat, läuft die Montage über 450 Elektrofachbetriebe in Deutschland. Kein anderer Anbieter kann ein ähnliches Netzwerk an Montagepartnern vorweisen. Die nötigen Bauteile – vom Gehäuse bis zur Elektronik – kann Telenot schnell liefern: 90 Prozent werden am Stammsitz im baden-württembergischen Aalen gefertigt.
15
Jahre in Folge hat Telenot bislang seinen Umsatz gesteigert. 2017 setzten die 400 Mitarbeiter rund 75 Millionen Euro um.
Text: Maik Mosheim
Foto: PR
Jede Woche stellt die WirtschaftsWoche in einer eigens dafür geschaffenen Rubrik ein besonderes mittelständisches Unternehmen vor. Im Laufe des vergangenen Jahres entstand auf diese Weise eine kleine Galerie von Entrepreneuren, von Menschen, denen es gelungen ist, in ihrem Unternehmerleben eine Herausforderung kreativ, klug und mutig zu meistern. Ende 2018 baten wir dann Sie, unsere Leser, um Ihre Meinung – welche der vielen guten Ideen und bemerkenswerten Leistungen hat Ihnen besonders gut gefallen? Das Ergebnis der Umfrage liegt nun vor.

Zu den Helden des Mittelstands 2018

Und falls Sie Macher, Schaffer, Unternehmer kennen, die zu Helden taugen, freuen wir uns auf Ihre Vorschläge.

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Produktion und Gestaltung:
Sebastian Feltgen und Marcel Stahn
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