Helden des Mittelstands 2022

Mal entwickeln sich Umsätze anders als geplant, die IT-Probleme sind größer als erwartet oder Fachkräfte Mangelware. Wir porträtieren jede Woche einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat.

Robert Dahl
Geschäftsführer bei Karls
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 181:

Robert Dahl

Geschäftsführer bei Karls

Das Problem
Erdbeerbauer Dahl muss wegen der Pandemie seine fünf Erlebnisdörfer immer wieder schließen. Die Zahl der Besucher geht zurück. Der Umsatz bricht ein.
Die Lösung
Wenn die Besucher nicht mehr zu Karls kommen können, muss Karls eben zu den Besuchern gehen. Dafür baut der Bauer seinen Onlineshop aus. Als Vorbild dient die chinesische E-Commerce-Plattform Taobao: Karls Erdbeerwelt hält mit einer Art Live-Tele-Shopping im Internet in die deutschen Wohnzimmer Einzug, präsentiert seine Produkte auf seinem eigenen Kanal – und die Zuschauer sind immer nur ein paar Klicks vom Einkauf entfernt.
Die Umsetzung
Im Januar 2021 startet das Angebot. Und findet schnell sein Publikum. Mittlerweile sendet Karls sieben Tage die Woche, bis zu 84 Stunden. Es gibt 30 verschiedene Formate. Zuschauer erhalten Dekotipps, Rezeptideen und Blicke hinter die Kulissen der Erdbeerfarm. Die Sendungen werden über soziale Netzwerke und über eine eigens entwickelte App gestreamt. 1200 Menschen schauen pro Sendung zu – und kaufen Erdbeerprodukte ein.
40
40 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftete der Onlineshop 2021. Dahl verdankt den Zuwachs vor allem der persönlichen Vorstellung der Produkte.
Text: Anja Holtschneider
Foto: PR
Astrid Schulte
Vorstandsvorsitzende bei Berendsohn
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 180:

Astrid Schulte

Vorstandsvorsitzende bei Berendsohn

Das Problem
Der 1833 gegründete Händler für Werbeartikel war seit 2012 nicht mehr profitabel. Kunden wechselten vermehrt zur günstigeren Konkurrenz im Internet.
Die Lösung
Astrid Schulte erkannte: Ihr Vorteil ist der direkte Draht zu Kleinunternehmern – aber auch die wollen nicht immer vor Ort besucht werden. Ab 2017 gab es deshalb auch Beratung über Telefon und Internet. Und sie verkaufte nun nicht mehr nur Kaffeetassen. Schulte machte den Warenhändler zur Marketingagentur mit Rundum-sorglos-Paket – auch im digitalen Raum, mit individueller Webseite und Präsenz in den gängigen Suchmaschinen.
Die Umsetzung
Schulte digitalisierte sämtliche Prozesse bei Berendsohn, ließ Bestellungen zentral in ein System einlaufen. Sie setzte Schulungen für Mitarbeiter auf, führte eine Telefonzentrale für Kundenberatung ein – und einen Onlineshop. Bei Vor-Ort-Besuchen bekamen ihre Vertriebsmitarbeiter nun ein iPad an die Hand anstatt eines angestaubten Musterkoffers. Was die Kundschaft goutierte: 2021 war Berendsohn erstmals seit sieben Jahren profitabel.
10
Prozent seines Umsatzes erzielt Berendsohn heute mit digitalen Werbeartikeln. Vor wenigen Jahren kam so manche Kundenbestellung noch per Fax.
Text: Tobias Gürtler
Foto: PR/Arne Weychardt
Marion Steinberg
Inhaberin der NaturHotel Wildewiese GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 179:

Marion Steinberg

Inhaberin der NaturHotel Wildewiese GmbH

Das Problem
Lüften, lüften, lüften. Eine der goldenen Coronaregeln. Nur was, wenn es manchen Gästen zu kalt wird? Die Hotelbetreiber eröffnen ein Restaurant – und fürchten Streit im Lokal.
Die Lösung
Die Raumluft des Restaurants wird laufend kontrolliert, soll jederzeit „frisch“ sein. Und jeder Gast soll das auf einen Blick sehen können – mithilfe eines Geräts, das den CO2-Gehalt der Luft misst und anzeigt. Internetshops führen kein passendes Modell für das Naturhotel. Deshalb baut die Tochter, eine Biologin, die gerade ihren Master in Informatik absolviert, kurzerhand den Prototyp einer CO2-Ampel in Form eines Kolibris.
Die Umsetzung
Eine Behindertenwerkstatt liefert zu; den Sensor zum Messen der Raumluft kaufen die Steinbergs von Bosch. Und einen 3-D-Drucker für die hausinterne Produktion des leuchtenden Kolibris legt sich das Hotel selbst zu, ebenso einen Lasercutter. Das Ergebnis: Leuchtet der Kolibri grün, ist genügend Sauerstoff im Raum. Leuchtet der Kopf gelb oder rot, sollte man lüften. Den Gäste gefällt es. Inzwischen wird der Kolibri für rund 300 Euro auch verkauft.
50
CO2-Ampeln in der Form eines leuchtenden Kolibris haben die Erfinder in den ersten zwei Monaten verkauft.
Text: Annina Reimann
Foto: PR
IQ Banner 1 - Ad Tile 3/1mob
Jede Woche stellt die WirtschaftsWoche in einer eigens dafür geschaffenen Rubrik ein besonderes mittelständisches Unternehmen vor. Im Laufe des vergangenen Jahres entstand auf diese Weise eine kleine Galerie von Entrepreneuren, von Menschen, denen es gelungen ist, in ihrem Unternehmerleben eine Herausforderung kreativ, klug und mutig zu meistern. 

Zu den Helden des Mittelstands 2021

Zu den Helden des Mittelstands 2020

Zu den Helden des Mittelstands 2019

Zu den Helden des Mittelstands 2018

Und falls Sie Macher, Schaffer, Unternehmer kennen, die zu Helden taugen, freuen wir uns auf Ihre Vorschläge.

Helden vorschlagen

IQ Banner 2 - Ad Tile 4/3mob (dieser text wird online nicht angezeigt)
Abo
eMagazin
App
Impressum
Produktion und Gestaltung:
Sebastian Feltgen, Marcel Stahn, Sara-Verena Adamsky
© WirtschaftsWoche 2022
IQ - Abschlussscript Werbung (dieser text wird online nicht angezeigt)