Helden des Mittelstands 2022

Mal entwickeln sich Umsätze anders als geplant, die IT-Probleme sind größer als erwartet oder Fachkräfte Mangelware. Wir porträtieren jede Woche einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat.

Tania Moser
Geschäftsführerin bei Pets Deli
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 209:

Tania Moser

Geschäftsführerin bei Pets Deli

Das Problem
In Deutschland leben mehr als 9,4 Millionen Hunde. Die Ernährung eines Hundes erzeugt im Schnitt pro Jahr so viel CO2 wie ein mittelgroßer Pkw.
Die Lösung
Ein Insekt: die Fliege Hermetia Illucens. Die sogenannte Soldatenfliege ersetzt das Fleisch in der „green“ bezeichneten Produktgruppe von Pets Deli. Das Berliner Tierfutter-Start-up, 2013 gegründet, wurde 2017 vom Investor Econa und der Managerin Tania Moser aus der Insolvenz herausgekauft. Laut Pets Deli reduziert eine fleischfreie Mahlzeit in der Woche den CO2-Ausstoß aller Hunde in Deutschland um vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.
Die Umsetzung
Seit 2020 verkauft Pets Deli die Futtermittel auf Soldatenfliegenbasis. Derzeit erwirtschaftet die „Green“-Produktlinie etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes. „Wünschenswert wäre ein Anteil bis zu 50 Prozent in den nächsten fünf Jahren“, sagt Moser. Sie strebt auch eine Erweiterung des Sortiments an: nicht nur Futter auf Basis von Insekten, sondern auch von Soja und Erbsenprotein – wie bei Lebensmitteln für Menschen.
13
Prozent der Anteile von Pets Deli gehören Tania Moser, die Mehrheit hält Econa. Das Jungunternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 100 Mitarbeiter.
Text: Stephan Knieps
Foto: PR
Sascha Halm
Inhaber des Restaurants „Zur alten Schule“
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 208:

Sascha Halm

Inhaber des Restaurants „Zur alten Schule“

Das Problem
Der Gastronomie fehlt Personal. Große Hotels werben offensiv um Servicekräfte – auch mit hohen Gehältern. Kleinere Betriebe haben da oft das Nachsehen.
Die Lösung
Der Kölner Restaurantchef Sascha Halm findet fünf Service- und Küchenkräfte im Osten Brasiliens, genauer: in Blumenau, einer von deutscher Kultur geprägten Region, wo es Schnitzelhäuser gibt und das zweitgrößte Oktoberfest der Welt gefeiert wird. Und wie kommt er darauf? Seine Frau, eine Brasilianerin, hatte die Idee. Die neuen Beschäftigten sind inzwischen gut integriert. Mit der Sprache hapert es noch etwas. Aber die Gäste sind zufrieden.
Die Umsetzung
Im Mai reist Halm nach Brasilien, um Kontakte zu knüpfen – schnell sind sich beide Seiten einig. Ganz ohne bürokratische Probleme geht der Transfer allerdings nicht über die Bühne: Die Agentur für Arbeit will zunächst die Ausbildungsabschlüsse der neuen Mitarbeiter nicht anerkennen. Halm schaltet einen Rechtsanwalt ein. Nach einigen Wochen gibt die Behörde schließlich ihr Okay.
50
Prozent der Mitarbeiter des Kölner Gasthauses stammen mittlerweile aus Brasilien. Alle bringen bereits Erfahrung aus der Gastronomie mit.
Text: Jürgen Salz
Foto: PR
Robert Ketterer
Inhaber und Geschäftsführer Auktionshaus Ketterer Kunst
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 207:

Robert Ketterer

Inhaber und Geschäftsführer Auktionshaus Ketterer Kunst

Das Problem
Ketterer streamt seine Auktionen seit Langem. Aber die Livestreams konnten das Gefühl einer nahbaren Auktion nicht vermitteln, das Kunden zum Kauf anregt.
Die Lösung
Ketterer beschäftigt sich früh mit dem Internet: Er veranstaltet zusätzlich zu Saalauktionen seit 2007 Onlineversteigerungen. Zudem kauft er Tausende, unbenutzte Webseiten, die nach bekannten, aber verstorbenen Künstlern benannt sind. Dadurch stoßen Interessenten bis heute auf Ketterer. „Mit Beginn der Pandemie entstand dann die Idee, den monotonen Livestream zu einem Public Viewing der Saalauktion auszubauen“, sagt Ketterer.
Die Umsetzung
Statt die Versteigerung mit einer Kamera zu streamen, die nur Auktionator Ketterer zeigte, stellt er neun Kameras auf. Zudem richtet das Unternehmen eine vierköpfige Regie ein: Nun sehen die Zuschauer entweder Ketterer aus verschiedenen Perspektiven, das Kunstwerk oder Angestellte im Saal. Zudem werden Videoclips eingespielt. „Die Kunden schauen länger zu, weil sie die Spannung miterleben können, und bieten häufiger mit“, sagt Ketterer.
88
Millionen Euro Umsatz hat Ketterer 2021 erzielt – ein Plus von 28 Millionen gegenüber Vorjahr. In der Pandemie hat sich die frühe Digitalisierung ausgezahlt.
Text: Lukas Zdrzalek
Foto: PR
Björn Schumacher
Geschäftsführer Schumacher Packaging Gruppe
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 206:

Björn Schumacher

Geschäftsführer Schumacher Packaging Gruppe

Das Problem
Farben und Motive auf Wellpappe zu drucken kostet viel Energie und Wasser. Für einen ressourcensparenden Digitaldruck fehlen entsprechende Maschinen.
Die Lösung
Björn Schumacher beauftragt einen Lieferanten mit dem Bau einer Digitaldruckmaschine, die mit einer Wellpappeanlage gekoppelt werden kann. Bislang produziert eine Anlage bis zu 450 Meter Wellpappe pro Minute: Bedruckt wird anschließend auf separaten Printern – weil Digitaldruck langsamer ist. Nun steht in Greven eine 100 Meter lange und acht Meter hohe Maschine, die Wellpappe in hohem Tempo produziert – und gleichzeitig bedruckt.
Die Umsetzung
Maschinen zur Produktion und Bedruckung von Wellpappe laufen bei Schumacher rund um die Uhr. Die Non-Stop-Produktion lässt es kaum zu, die am Rechner entworfenen Drucke während des Betriebs zu kontrollieren. Schumacher lässt seine Pilotanlage daher für Kleinserien laufen. Nach jedem Auftrag wird die Druckqualität überprüft, die Maschine neu justiert und optimiert. Der Prototyp befindet sich im zweiten Erprobungsjahr.
30
Millionen Euro kostete Schumacher Packaging Group die neue Digitaldruckmaschine. Das Unternehmen produziert bereits in dritter Generation.
Text: Christian Schlesiger
Foto: PR
Detlef und Dieter Meier
Geschäftsführende Gesellschafter EMB Leuchten
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 205:

Detlef und Dieter Meier

Geschäftsführende Gesellschafter EMB Leuchten

Das Problem
Seit 20 Jahren baut EMB Beleuchtungssysteme für Senioreneinrichtungen. Gegen Wirtschaftskrisen wollte sich die Firma mit einem neuen Geschäftsbereich rüsten.
Die Lösung
Als Corona in der Altenpflege zum großen Problem wird und Menschenleben kostet, tüfteln die Brüder aus dem niedersächsischen Bückeburg an einem kontaktlosen Türöffnungssystem. Eine Geste ohne Schalterberührung löst dabei per Funk eine Klingel an der Rezeption aus. Die Tür wird ohne das Risiko von Schmierinfektionen geöffnet. Gelingt die Markteinführung, hat der 1950 gegründete Lampenhersteller ein zweites Standbein.
Die Umsetzung
Einer der führenden Großausstatter für Alten- und Pflegeheime hat die EMB-Innovation 2022 in sein Programm aufgenommen. 10 bis 15 Senioreneinrichtungen werden bis Ende des Jahres das System nutzen. Die Produktion in dem 20-Mitarbeiter-Unternehmen läuft langsam an. Und EMB entwickelt bereits weitere Funktechnikprodukte – etwa einen Funksensor, mit dem vom Rollator aus ein Alarmsignal im Gebäude ausgelöst wird.
3
Millionen Euro setzt EMB pro Jahr um. Funkprodukte sollen in einigen Jahren rund 500.000 Euro Mehreinnahmen bringen.
Text: Harald Schumacher
Foto: PR
Johanna Beckurts-Othmer
Geschäftsführerin bei Niku Kunststoffe
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 204:

Johanna Beckurts-Othmer

Geschäftsführerin bei Niku Kunststoffe

Das Problem
Fachkräfte sind knapp, auch auf dem Land. Migranten könnten einspringen. Aber Deutsch lernen ist für viele schwer, weil die Kurse laufen, wenn sie arbeiten.
Die Lösung
Das Familienunternehmen Niku Kunststoffe gibt es seit 26 Jahren. Der Kampf um Talente ist auch im ländlichen Niendorf in Niedersachsen angekommen, wo die Arbeitslosenquote niedrig ist. Um attraktiv für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund oder ungewöhnlichen Biografien zu werden, kümmert sich Niku um Sprachkurse im Unternehmen und hilft Mitarbeitern bei Behördengängen. Das macht Niku attraktiv für weitere Mitarbeiter.
Die Umsetzung
Seit knapp drei Jahren organisiert Niku Deutschkurse im Unternehmen vor Ort. Auch die Mitarbeiter, die im Schichtdienst arbeiten, können ein- bis zweimal pro Woche daran teilnehmen – egal, in welcher Schicht sie gerade arbeiten. Anderthalb Stunden geht der Unterricht. In Kleingruppen von sechs bis acht Leuten könne auf jeden individuell eingegangen werden, und der Betrieb profitiere von den Sprachkenntnissen der Mitarbeiter.
90
Mitarbeiter beschäftigt Niku knapp, gut zehn Prozent davon bekommen Sprachunterstützung. Einige von ihnen haben das mittlere Sprachlevel B1 erreicht
Text: Theresa Rauffmann
Foto: PR/Torsten van Briel
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Kai Schaefer
Technischer Geschäftsführer Schaefer Kalk
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 203:

Kai Schaefer

Technischer Geschäftsführer Schaefer Kalk

Das Problem
Kalk ist für viele Produkte und Prozesse als Rohstoff unverzichtbar. Seine Herstellung verbraucht allerdings viel Energie und setzt viel Kohlendioxid frei.
Die Lösung
Das 160 Jahre alte Familienunternehmen hat in moderne Öfen investiert und den Energieverbrauch mithilfe eines zertifizierten Energiemanagements optimiert. Weil sich der CO2-Ausstoß so aber nur in Grenzen verringern lässt, verpflichtet die Firma sich in einer Nachhaltigkeitserklärung zu Schritten wie vermehrter Nutzung erneuerbarer Energien und Entwicklung neuer Technologien. Spätestens 2045 soll klimaneutral produziert werden.
Die Umsetzung
Der Bau einer eigenen Fotovoltaikanlage soll in einem ersten Schritt den Verbrauch fossiler Energien reduzieren, die konkreten Pläne hat das Unternehmen der zuständigen Gemeinde vorgestellt. Für klimafreundlichere Verfahren arbeitet es mit Universitäten und Forschungsinstituten zusammen. Auch nachhaltig: Für ein Produkt zur Reinigung von Abwasser von Phosphaten gewann Schaefer Kalk den rheinland-pfälzischen Innovationspreis.
5000
Tonnen Kohlendioxid will der Mittelständler Schaefer Kalk durch den Bau einer eigenen Solaranlage jährlich einsparen.
Text: Cornelius Welp
Foto: PR
Peter Schwenk
Geschäftsführer der Altendorf GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 202:

Peter Schwenk

Geschäftsführer der Altendorf GmbH

Das Problem
Jeden Monat passieren in deutschen Handwerksbetrieben bis zu 120 Unfälle mit einer Formatkreissäge. Die Folgen: Verletzungen, Frühverrentungen, Kosten.
Die Lösung
Das Maschinenbauunternehmen Altendorf aus dem westfälischen Minden, Weltmarktführer für Formatkreissägen, hat das erste Sicherheitssystem entwickelt, das reagiert, bevor es zum Kontakt kommt: Handguard überwacht mithilfe zweier Kameras einen weiten Raum rund um das Sägeblatt. Sobald dort eindringende Hände erfasst werden, senkt es sich automatisch unter den Bearbeitungstisch – innerhalb einer Viertelsekunde.
Die Umsetzung
2017 begann Altendorf mit der Entwicklung von Handguard. Nach Tests mit rund 80 Testkunden und der GS-Zertifizierung durch die Berufsgenossenschaft Holz und Metall erfolgte im Mai 2022 die Markteinführung. Altendorf-Chef Peter Schwenk hofft, mit seinem System „einen vollkommen neuen Standard für künftige Sicherheitsassistenzsysteme bei Formatkreissägen“ etablieren zu können.
75
Prozent Umsatzwachstum (auf 70 Millionen Euro) verzeichnet Altendorf seit der Übernahme durch den niederländischen Wagniskapitalgeber Avedon 2017.
Text: Stephan Knieps
Foto: PR
Florian Zachmayer
Finanzchef der Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 201:

Florian Zachmayer

Finanzchef der Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft

Das Problem
Sicherheitsdienste werden zunehmend über den Preis verkauft. Also sucht die Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft (NWS) ein Alleinstellungsmerkmal.
Die Lösung
Bei Kundengesprächen erkennt Finanzvorstand Florian Zachmayer, dass immer mehr Unternehmen auf Nachhaltigkeit setzen und diese auch von ihren Lieferanten erwarten. Also überzeugt er Vorstand und Gesellschafter davon, die NWS zum ersten klimaneutralen Sicherheitsdienstleister umzubauen. Das Unternehmen senkt mit E-Autos und Energiemanagement in den Büros den CO2-Ausstoß und kompensiert unvermeidbare Emissionen.
Die Umsetzung
Dank der schnellen Umsetzung erreicht die NWS das Ziel Klimaneutralität bereits 2021 – ein Jahr früher als geplant. Auch die Investitionen in Höhe eines niedrigen sechsstelligen Betrags rechnen sich eher als erwartet. Dazu kommt das neue Konzept gut bei den Kunden an. Es erweist sich in den Verhandlungen um neue oder verlängerte Verträge oft als der entscheidende Vorteil gegenüber den Wettbewerbern.
30
Prozent ihres CO2-Ausstoßes hat die Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft bereits eingespart, weitere 20 Prozent sollen bis Ende 2023 folgen.
Text: Rüdiger Kiani-Kreß
Foto: PR
Christian Wegner
Geschäftsführer Medipolis
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 200:

Christian Wegner

Geschäftsführer Medipolis

Das Problem
Laut Schätzungen fehlen in Deutschland mindestens 35.000 Pflegekräfte – Tendenz steigend. Dienstleister und Kliniken suchen verzweifelt Fachpersonal.
Die Lösung
Die mittelständische Medipolis-Gruppe aus Jena, die Apotheken betreibt, Medikamente herstellt und pflegebedürftige Patienten zu Hause betreut, hat in den vergangenen drei Jahren 200 neue Mitarbeiter für sich gewinnen können. Der Familienbetrieb wirbt unter anderem damit, dass sich Pflegerinnen und Pfleger ihre Arbeitszeit flexibel einteilen können. Bei der Rekrutierung geht Medipolis für die Branche ungewöhnliche Wege.
Die Umsetzung
In einem Buch erzählen die Medipoliten, wie sich die Mitarbeiter nennen, über ihren Arbeitsalltag. Neben ihnen kommen auch Patienten zu Wort. Einige der Geschichten wurden verfilmt und sind im Netz abrufbar. Eine spezialisierte Employer-Brand-Managerin kümmert sich um das Image als Arbeitgeber und koordiniert die Aktivitäten rund um Buch und Filme. Neue Mitarbeiter durchlaufen später ein sechsmonatiges Onboarding-Programm.
100
neue Mitarbeiter sollen in diesem Jahr dazukommen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten würde damit auf über 600 steigen.
Text: Jürgen Salz
Foto: PR/Guido Werner
Tanja Hengst
Chefin von Raimund Hengst Technik
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 199:

Tanja Hengst

Chefin von Raimund Hengst Technik

Das Problem
2021 stirbt der Firmeninhaber sehr plötzlich. Seine Tochter, gerade in Elternzeit bei Siemens, hat die Familienfirma noch nicht intensiv kennengelernt.
Die Lösung
Die studierte Maschinenbauerin und ausgebildete Industriemechanikerin kündigt den Konzernjob und übernimmt den Zulieferer für Dreh- und Fertigungsarbeiten im Kleinserienbereich. Noch hat das Unternehmen nur einen zusätzlichen Mitarbeiter – doch schon sucht Hengst einen weiteren für die Fertigung. Sie selbst will nicht mehr in der Produktion arbeiten, sondern den Kunden die Entwicklung von Sondermaschinen anbieten.
Die Umsetzung
Hengst spricht mit der Bank und organisiert frisches Geld für die Firma. Damit will sie den Maschinenpark modernisieren. Außerdem ersetzt sie das alte 2-D-Zeichenprogramm durch ein modernes 3-D-Tool. So kann sie Kunden nun auch Zeichnungen für Prototypen anbieten. Das Unternehmen will sie jetzt ihrer Mutter abkaufen und es aus Haftungsgründen von einer Personengesellschaft in eine GmbH umwandeln.
250.000
Euro Umsatz machte das Unternehmen zuletzt, wegen Corona war das weniger als in anderen Jahren. Doch nun will Hengst den Umsatz auf 400.000 Euro steigern.
Text: Annina Reimann
Foto: PR/Linda Roth
Stephan Bayer
Gründer und Chef der Lern­video­plattform Sofatutor
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 198:

Stephan Bayer

Gründer und Chef der Lern­video­plattform Sofatutor

Das Problem
Onlinevideos zu Schulthemen müssen in hoher Qualität besprochen oder synchronisiert werden. Können die Sprecher das zu Hause, ohne Tonstudio und Aufnahmecrew?
Die Lösung
Das 2009 gegründete Unternehmen stattet die Sprecherinnen und Sprecher mit USB-Kondensatormikrofonen für 229 Euro pro Stück aus und schult sie für die Audiosoftware. Zudem gibt es praktische Hinweise, wie sich eine schallarme Aufnahmekabine konstruieren lässt. Und Skripte werden so vorbereitet, dass die Tontechnik auch zu Hause gelingt. Schon 850 Lernvideos entstanden außerhalb der Büros in Berlin-Friedrichshain.
Die Umsetzung
Das Provisorium wird zum neuen Arbeitsprinzip. 55 Prozent der 250 Mitarbeiter wollen weiter im Homeoffice und knapp 40 Prozent hybrid arbeiten. „Das machen wir möglich“, sagt Bayer. Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, unabhängig vom Firmensitz, wird so einfacher. Damit die Teams in Kontakt bleiben und Neuzugänge integrieren können, gibt es eintägige Teamevents. Dafür gibt Sofatutor pro Jahr und Mitarbeiter 400 Euro aus.
1,5
Millionen Besucher im Monat hatte die Sofatutor-Homepage vor der Pandemie. Heute sind es 6 Millionen.
Text:Harald Schumacher
Foto: PR/Sascha Kott
Katrin Dreßler
Geschäfts­­führerin des Kampf­sport­artikel­geschäfts Boxhaus
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 197:

Katrin Dreßler

Geschäfts­­führerin des Kampf­sport­artikel­geschäfts Boxhaus

Das Problem
2020 erkrankt der Inhaber des Onlinehändlers Boxhaus im mecklenburgischen Demen. Katrin Dreßler will übernehmen. Doch die Banken sind kritisch.
Die Lösung
Dreßler passt den Businessplan an, beschreibt die Klientel genauer – „von Vereinen über Hobbysportler bis zu Profiboxern“, entkräftet Bedenken über mögliche Risiken – etwa die, dass Amazon gut laufende Artikel selbst ins Programm nehme und die Firma verdränge. In der Nische mit Artikeln wie Judoanzügen oder Boxhandschuhen, mit eingespielten Beziehungen zu den wenigen Anbietern, bestehe diese Gefahr nicht, macht sie klar.
Die Umsetzung
Für den Kaufpreis bekommt Dreßler von der Industrie- und Handelskammer und der Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern Hilfestellungen. Am Ende gibt die Commerzbank zusammen mit der KfW das Darlehen. Für die Zukunft plant sie Optimierungen am Onlineshop und weitere exklusive Sportartikel wie Taschen aus Hanf der Marke Datsusara, mit denen sich Boxhaus von der Konkurrenz abheben will – auch offline.
40
Prozent mehr als im ersten Quartal 2021 hat der Kampfsportartikelshop aus Demen von Januar bis März des laufenden Jahres umgesetzt
Text: Anna-Maria Knaup
Foto: PR
Guido Schulte
Chef des Parkettherstellers Meisterwerke Schulte
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 196:

Guido Schulte

Chef des Parkettherstellers Meisterwerke Schulte

Das Problem
Steigende Preise für hochwertige Hölzer wie Eiche und steigende Kundenansprüche bedrohen das Geschäft des Parkettherstellers Meisterwerke Schulte.
Die Lösung
Geschäftsführer Guido Schulte und sein Team setzen auf eine neue Fertigungstechnik. Sie braucht nur noch ein Achtel des bisher nötigen Eichenholzes und nutzt stattdessen einen Mix aus Holzpulver, Farbpigmenten und Melaminharz. Nach ein paar Verbesserungen kann der Boden zum Teil aus Reststoffen der eigenen Produktion hergestellt werden und ist bei fast gleichem Aussehen widerstandsfähiger als klassisches Parkett.
Die Umsetzung
Nach einer Anlaufzeit wird das neue Produkt namens Lindura gut angenommen. Es sorgt in der Coronazeit für starkes Wachstum, weil im Lockdown deutlich mehr Kunden ihre Häuser und Wohnungen renovieren. Als die Ukraine wegen des Kriegs als einer der wichtigsten Lieferanten für Eiche ausfällt, erlaubt das neue Verfahren eine weiterhin stabile Produktion, weil es mit weniger Holz auskommt als klassische Holzböden.
13
Prozent Umsatzwachstum schaffte Meisterwerke Schulte in 2020, vor allem dank des neu entwickelten Bodenbelags. Im 2021 gab es ein ähnliches Plus.
Text: Rüdiger Kiani-Kreß
Foto: PR
Lukas Scherzen­lehner
Vorstandschef bei Cleen Energy AG
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 195:

Lukas Scherzen­lehner

Vorstandschef bei Cleen Energy AG

Das Problem
Cleen Energy stellt Firmen Anlagen für erneuerbare Energien zur Verfügung. Doch Langzeitspeicher für den Strom fehlten dem Unternehmen bislang.
Die Lösung
Das österreichische Unternehmen mit zwei Niederlassungen in Deutschland hat kurzerhand selbst Pilotanlagen für Wasserstoffspeicher entworfen und getestet – im eigenen Haus. „Zwei der Wasserstoffprobeanlagen haben wir in unserer Zentrale in Österreich montiert“, sagt CEO Lukas Scherzenlehner. Der aus grünem Strom und Wasser per Elektrolyse hergestellte Wasserstoff lagert in Gasflaschen und setzt mittels Brennstoffzelle wieder Strom frei.
Die Umsetzung
In den kommenden Wochen nimmt das Unternehmen mit seinen 48 Mitarbeitern den Serienbetrieb der Wasserstoffspeicher auf. „Wir sind gerade in den finalen Zügen der TÜV-Zertifizierung unseres Wasserstoffspeichers. Dieses Jahr wollen wir 20 Anlagen ausliefern“, sagt Scherzenlehner. Im kommenden Jahr will er bereits 100 Anlagen verkaufen. Die Nachfrage nach seinen Wasserstoffspeichern übersteigt das Angebot bei Weitem.
20
seiner selbst entwickelten Wasserstoffspeicher will Cleen Energy dieses Jahr verkaufen. Im kommenden Jahr rechnet das Unternehmen mit 100 Speichern.
Text: Andreas Macho
Foto: PR
Harald Goost
Geschäftsführender Gesellschafter bei Bierbaum-Proenen
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 194:

Harald Goost

Geschäftsführender Gesellschafter bei Bierbaum-Proenen

Das Problem
Die für das Unternehmen in Asien produzierte Arbeitskleidung soll umweltfreundlich nach Deutschland gelangen. Papier taugt dafür nicht: Die Kleidung wird feucht.
Die Lösung
Statt jedes Bekleidungsteil einzeln in einen Plastikbeutel zu verpacken, setzt das Kölner Familienunternehmen für den Seetransport nun einen großen Beutel pro Versandkarton ein. In diesem finden bis zu 20 Kleidungsstücke Platz. Die Einzelteile werden wiederum mit Papierbanderolen verpackt. So gelangt die Kleidung gegen Umwelteinflüsse geschützt, aber mit deutlich geringerem Plastikeinsatz zum Kunden.
Die Umsetzung
Nach Abstimmung mit den Produktionsbetrieben und einer Testphase 2020 erfolgt heute die Transportverpackung aller Bekleidungsteile in den großen Folienbeuteln. Bierbaum-Proenen spart so nach eigener Aussage rund sechs Tonnen Plastik pro Jahr. Künftig soll der Versand an Kunden bei kleineren Bestellungen auf dem Landweg komplett auf Papiertaschen umgestellt werden.
52
Millionen Euro Umsatz erzielte der Anbieter von Arbeitskleidung 2020. Das 1788 in Köln gegründete Unternehmen wird in siebter Generation geführt.
Text: Stephan Kknieps
Foto: PR
Ingo Patzer
Interims-Bereichsleiter Produktion, Kaiser+Kraft
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 193:

Ingo Patzer

Interims-Bereichsleiter Produktion, Kaiser+Kraft

Das Problem
Der Versandhändler für Betriebs- und Büroausstattung will Geld sparen und nachhaltiger werden. Die Lichtanlage am Standort Haan verbraucht (zu) viel Strom.
Die Lösung
Nachdem Kaiser+Kraft der hohe Stromverbrauch bei wöchentlichen Zählerablesungen auffällt, stellt der Händler seine Beleuchtung von herkömmlichen Lampen auf sparsamere LED-Leuchten um. Noch mehr Strom will die Firma sparen, indem sie Bewegungsmelder und Sensoren in der Anlage verbaut. Der Clou: Die Sensoren messen, wie viel natürliches Licht in einen Raum fällt – und dimmen die Beleuchtung herunter.
Die Umsetzung
Kaiser+Kraft installiert die neue Anlage mit der Hilfe einer Fachfirma, erst in der Schweißerei, wo unter anderem Sackkarren entstehen, später in der Verwaltung und der Montage, wo Transportwagen zusammengebaut werden. Das Resultat: „Wir sparen je nach Halle zwischen 70 und 90 Prozent Strom“, sagt Bereichsleiter Ingo Patzer: „Die neue Anlage rechnet sich spätestens nach vier Jahren.“ Weitere Standorte sollen vermutlich folgen.
20
Jahre soll eine der neuen, am Standort Haan installierten LED-Leuchten halten, ehe Kaiser+Kraft sie austauschen muss.
Text: Lukas Zdrzalek
Foto: PR
Benjamin Mandos
Gründer von Got Bag
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 192:

Benjamin Mandos

Gründer von Got Bag

Das Problem
Bei der Expansion in die USA setzt Got Bag voll auf digitale Anzeigen und Influencer. Das ist teuer und bringt den Umsatz nicht wie erhofft in Schwung.
Die Lösung
Das 2016 in Mainz gegründete Unternehmen verarbeitet Plastik aus Meer und Küstengebieten zu Rucksäcken und Taschen. Um das Kunden besser zu erklären, bindet Got Bag in den USA verstärkt stationäre Einzelhändler ein. Mit Erfolg: Im ersten Quartal 2022 liegt der Umsatz 250 Prozent über Plan. „Es ist ein Mythos, dass der digitale Vertrieb in Eigenregie immer günstiger ist als der über Zwischenhändler“, sagt Gründer Mandos.
Die Umsetzung
Got Bag stellt bei Messen aus und wirbt in mehreren Bundesstaaten Vertreter an, die die Taschen in Fachgeschäften und bei Handelsketten platzieren. Im Februar gewinnt das Unternehmen einen wichtigen US-Preis für Innovationen im Handel. Die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen macht die Marke bekannt. Eine Kooperation mit Outerknown, der Modemarke von Surferlegende Kelly Slater, soll die Popularität nun weiter steigern.
60
Mitarbeiter beschäftigt Got Bag aktuell, 15 davon in den USA. In Indonesien sammeln 2500 Menschen Altplastik als Rohstoff für Taschen und Rucksäcke ein.
Text: Cornelius Welp
Foto: PR/Jonas Friedrich
Alexander Bürger
Vertriebsleiter Brigade Elektronik
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 191:

Alexander Bürger

Vertriebsleiter Brigade Elektronik

Das Problem
Bisher läuft es so: Brigade liefert kleineren Kunden sicherheitstechnische Systeme für Lkw und baut sie dort ein. Das ist aufwendig. Und bremst das Wachstum.
Die Lösung
Eine neue Strategie, um Skaleneffekte zu erzeugen. Der Vertrieb konzentriert sich verstärkt auf große Abnehmer, die in Eigenregie Dutzende oder gar Hunderte Lkw mit den Brigade-Systemen aufrüsten können. Zur neuen Zielgruppe gehören etwa die Zentralen von Discountern und Supermarktketten, Lkw- und Baumaschinen-Hersteller, Müllentsorger sowie die Ausrüster von Rettungsdiensten und Feuerwehrflotten.
Die Umsetzung
2019 beginnt der deutsche Ableger des britischen Mittelständlers Brigade damit, das Konzept umzusetzen. Vertriebsleiter Bürger und Geschäftsführer John Osmant verdoppeln die Größe des Vertriebsteams. Techniker schulen Mitarbeiter der Großkunden für den Einbau der Kamera- und Sensoriksysteme. Um möglichst zuverlässig liefern zu können, bezieht die Firma viele Teile nicht mehr aus Großbritannien, sondern aus Italien.
100
Prozent Umsatzplus in fünf Jahren, das ist das Ziel: 20 Millionen Euro in 2026. Drei neue Großkunden hat der 28-Mitarbeiter-Betrieb aus Neumünster schon gewonnen.
Text: Harald Schumacher
Foto: PR
Steffen Bersch
Chef des Logistikers SSI Schäfer
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 190:

Steffen Bersch

Chef des Logistikers SSI Schäfer

Das Problem
Heute bestellt, spätestens morgen geliefert – nie zuvor war im Warenversand mehr Tempo gefordert. Und möglichst umweltschonend soll er auch noch sein.
Die Lösung
SSI Schäfer setzt in seinen Lagerfahrzeugen nicht schwere Bleiakkus, sondern besonders leichte und effiziente Batterien ein – sogenannte Power Caps. Die mit ihnen betriebenen Shuttle transportieren Paletten, Behälter und Kartons aus den Lagergassen zu den Kommissionierplätzen. Die ursprünglich im Rennsport perfektionierte Technologie zeichnet sich durch hohe Lebenserwartung, Energieeffizienz und umweltfreundliche Werkstoffe aus.
Die Umsetzung
Weniger Masse bedeutet weniger Energieverbrauch. Außerdem entfallen Batteriewechsel und stundenlange Ladezeiten. Bei jedem Andocken, also bei der Aufnahme oder Abgabe von Waren, werden die Power Caps sekundenschnell geladen. Bremst das Shuttle, wird die freigesetzte Bewegungsenergie in elektrische Energie zurückgewandelt, die anschließend wieder in die Power Caps geleitet wird. Diese Energie wäre sonst verloren.
70
Standorte unterhält das Unternehmen aus Neunkirchen derzeit weltweit. Jährlich setzt es rund 10.000 Aufträge um, darunter rund 150 Großprojekte.
Text: Karin Finkenzeller
Foto: PR
Ulrike Sailer
Geschäftsführerin neoplas med GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 189:

Ulrike Sailer

Geschäftsführerin neoplas med GmbH

Das Problem
Zwei Millionen Deutsche leiden unter chronischen Wunden. Die durchschnittlichen Kosten pro Patient liegen bei 10.000 Euro im Jahr.
Die Lösung
Das Greifswalder 20-Mitarbeiter-Firma neoplas setzt auf Kaltplasma. Dabei wird ein Gas mit ionisierten Atomen, Ionen und Elektronen den Patienten zugeführt. Das Kaltplasma desinfiziert Wunden und aktiviert die Heilung. Die Therapiedauer verkürzt sich, die Behandlungskosten sinken – da etwa der Verbrauch an Verbandsmaterial abnimmt. 65 Prozent der deutschen Unikliniken nutzen das Verfahren – bisher müssen Patienten selbst zahlen.
Die Umsetzung
Zwei Kliniken in Österreich testeten in einer Studie die Kaltplasma-Technologie und verglichen sie mit einem etablierten Verfahren moderner Wundversorgung. Das Ergebnis: Nach sechs Wochen waren 59 Prozent aller Wunden unter Kaltplasma vollständig verheilt, in der anderen Patientengruppe nur 5,1 Prozent. Auf Basis der Ergebnisse beantragt neoplas nun die Kassenzulassung – die Kassen würden dann die Kosten übernehmen.
94
Prozent betrug der Rückgang der Wundfläche bei den Kaltplasma-Patienten zum Ende der Studie; in der Vergleichsgruppe verringerte sich die Wundfläche um 56,3 Prozent.
Text: Jürgen Salz
Foto: PR
Dennis Gies
Geschäftsführer Toynamics Europe GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 188:

Dennis Gies

Geschäftsführer Toynamics Europe GmbH

Das Problem
Investor Toynamics kauft den Kuscheltierproduzenten Senger Naturwelt – und setzt auf neue Vertriebswege. Für Wachstum aber fehlen Näherinnen und Biowolle.
Die Lösung
Senger Naturwelt fertigt Kuscheltiere und andere Kinderprodukte nur in Deutschland. Zum Zeitpunkt der Übernahme 2017 beschäftigte Senger nur fünf Mitarbeiter. Um zu wachsen, wollte die Geschäftsführung neue Näherinnen ausbilden und weitere Schäfer für den Erwerb von Biowolle rekrutieren. Außerdem wurde Handarbeit teilweise outgesourct: Mütter und ältere Damen besticken und befüllen die Stofftiere in Heimarbeit.
Die Umsetzung
Aus Lettland ließ Senger Profis einfliegen, die in Deutschland 25 Näherinnen ausbildeten. Heute hat Senger 40 Mitarbeiter. Hinzu kommen vier weitere Schäfer aus der Eifel, die mehr Wolle für die Produktion bereitstellen. Weil der Nachschub je nach Wetterlage variiert, setzt Senger auf ein neues Lager. Seinem deutschen Stofflieferanten half die Firma, neue Webstühle zu bauen, damit auch dort das Personal aufgestockt werden konnte.
2,5
Millionen Euro setzte die Senger Naturwelt im Jahr 2021 um – zehn Mal so viel wie im Jahr vor der Übernahme 2017.
Text: Annina Reimann
Foto: PR
Mareike Boccola
Inhaberin von Hauschild
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 187:

Mareike Boccola

Inhaberin von Hauschild

Das Problem
Der Hersteller von Hightechmischgeräten verliert Umsatz, weil sein früherer US-Vertriebspartner vertragswidrig kopierte Geräte unter der Marke des Mittelständlers verkauft.
Die Lösung
Weil eine Urheberrechtsklage allein kein schnelles Ergebnis verspricht, sucht das Unternehmen einen vertrauenswürdigen Partner für einen neuen Distributionsvertrag. Mareike Boccola, Inhaberin des Familienunternehmens Hauschild aus Hamm, beauftragt ihren in den USA lebenden Trauzeugen Davide Davi mit der Suche.
Die Umsetzung
Davi ist so überzeugt vom Produkt, dass er den Job selbst übernimmt. Hauschild baut Mischgeräte, die in wenigen Minuten luftblasenfrei fast alle Materialien mixen. Das Unternehmen startet eine offensive Marketing- und Pressekampagne. Der vertriebserfahrene Manager Davi und sein Team zeigen auf Fachmessen den Original Hauschild Speedmixer.
50
Prozent und mehr seines Jahresumsatzes im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet der Mittelständler Hauschild in den USA – eine US-Niederlassung soll das Geschäft stabilisieren.
Text: Rüdiger Kiani-Kreß
Foto: PR
Kerstin Hochmüller
Chefin Marantec Group
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 186:

Kerstin Hochmüller

Chefin Marantec Group

Das Problem
Das Erfolgsrezept der Hidden Champions – ein handfestes Premiumprodukt im Alleingang vermarkten und verkaufen – verfängt nicht mehr in einer stark vernetzten Welt.
Die Lösung
Marantec, ein Spezialist für Torantriebe, entwickelt die Open-Champion-Methode. Es geht darum, dass deutsche Mittelständler ihre speziellen Kompetenzen und Erfahrungen reflektieren und miteinander teilen. Wenn sie mehr externe Expertise zulassen, mit Start-ups, Experten und anderen Firmen kooperieren, können im Verbund und im Netzwerk neue, gemeinsame Geschäftsmodelle entstehen.
Die Umsetzung
Seit 2014 erschließt Marantec das Potenzial von Open Champions. Das Unternehmen arbeitet mit externen Partnern zusammen, kooperiert heute allein mit sieben Start-ups – und bringt frische Ideen gemeinsam zur Marktreife. Ein Beispiel für ein neues Geschäftsmodell: ein digitales Konzept für die Bewirtschaftung von Parkraum, das Marantec mit Start-ups entwickelt hat.
100
Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die 550 Mitarbeiter von Marantec im vergangenen Jahr. Kerstin Hochmüller leitet die Firma mit Sitz in Marienfeld (Ostwestfalen-Lippe) seit 2013.
Text: Stephan Knieps
Foto: PR/Felix Niekamp
Knut Kille
Geschäftsführer des Zulieferers Rhodius
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 185:

Knut Kille

Geschäftsführer des Zulieferers Rhodius

Das Problem
Ein wichtiges Produkt der Firma sind Rohre und Filter für Airbags. Sie sorgen dafür, dass diese sich rechtzeitig und sicher öffnen. Wegen Corona sank die Nachfrage.
Die Lösung
„Wir haben während der Pandemie unsere Geschäftsfelder Industriefilter und Automotive erweitert, um Rückgänge im bestehenden Geschäft auszugleichen“, sagt Geschäftsführer Kille. So hat das Unternehmen kurzerhand einen Ultraleichtbau-Karosserierahmen für Motorräder und Autos entwickelt. Ähnlich wie Airbags soll der Rahmen im Frontmodul der Fahrzeuge Unfälle besser abfedern und so Fahrer und Insassen schützen.
Die Umsetzung
Vor gut einem Jahr gründete Rhodius ein Tochterunternehmen für die neuen Ultraleichtbau-Rahmen. Weil die bisherigen Fabriken für die neuen Rahmen zu klein wurden, eröffnete der bayrische Mittelständler, der rund 40 Millionen Euro pro Jahr umsetzt, dann Anfang 2022 eine neue Fabrik. Im Sommer soll die Serienproduktion anlaufen. „Durch die neue Tochter und die neue Fabrik haben wir rund 60 Arbeitsplätze geschaffen“, sagt Kille.
60
Arbeitsplätze hat Rhodius mit Sitz im bayrischen Weißenburg geschaffen, indem es seine Sparten um den Bau von Leichtbau-Karosserierahmen erweiterte.
Text: Andreas Macho
Foto: PR/Georg Wilke
Peter Wagner
Geschäftsführer Wagner Design
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 184:

Peter Wagner

Geschäftsführer Wagner Design

Das Problem
Der Wettbewerb auf dem Markt für Büromöbel zwingt Hersteller zu neuen Produkten. Ein Arbeitsplatzstuhl muss heute ins Büro passen und in die Wohnung.
Die Lösung
Peter Wagner bestellt beim Münchner Designer Stefan Diez ein Modell, das für die Kunden so flexibel einsatzbar sein soll wie einst der Wirtshausstuhl, mit dem das Familienunternehmen Ende der Vierzigerjahre begann. Diez entwickelt auch ein verbessertes Stuhlgelenk, das für Bewegung beim Sitzen sorgt, und fügt es ein in die Drehstuhl-Familie D1. Damit passt sich der Stuhl nur noch mit einer Höhenverstellbarkeit automatisch dem Nutzer an.
Die Umsetzung
Der D1 beschert Topstar/Wagner bereits bei seiner ersten Vorstellung im Kölner Museum für angewandte Kunst viele Aufträge. Auch der durch Corona verstärkte Gesellschaftstrend zum Desksharing in Großraumbüros oder zu mehr Homeoffice befeuert den Boom des flexiblen Sitzes. Der Erfolg spornt an: Wagner beginnt nun mit Diez, weitere flexible Büromöbel zu entwickeln, wie das Einrichtungssystem D2 aus Regalen und Tischen.
110
Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Wagner-Muttergesellschaft Topstar 2021 – ein zweistelliges Plus im Vergleich zu 2019. Ein großer Teil stammt vom Stuhl D1.
Text: Rüdiger Kiani-Kreß
Foto: PR
Roman Preis
Energie- und Prozessmanager, Wandel Packaging Group Blow Moulding
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 183:

Roman Preis

Energie- und Prozessmanager, Wandel Packaging Group Blow Moulding

Das Problem
Gefahrgutkanister müssen besonders sicher sein. Produktionsfehler werden aber oft erst spät entdeckt. Zu viel Ware müsste dann aussortiert werden.
Die Lösung
Das Fraunhofer Institut für industrielle Automation sucht 2017 für ein Projekt zu künstlicher Intelligenz (KI) Unternehmen. Die Wandel Packaging Group macht mit. Sie lässt eine Maschine mit Sensoren ausstatten, die über 80 verschiedene Daten messen. Die KI lernt, was der Normalzustand ist – und was eine Anomalie, also ein fehlerhaftes Produkt. Schlägt die KI Alarm, können Mitarbeiter schneller als früher reagieren.
Die Umsetzung
Das Pilotprojekt ist erfolgreich. Die Produktion ist stabiler, die Qualität der Kanister besser. Dank der KI konnte Preis den Ausschuss jedes Jahr um 100 Tonnen reduzieren. Das Unternehmen spart nun jährlich rund 100 000 Euro. Damit der Wettbewerbsvorteil erhalten bleibt, rüstet Preis die übrigen Maschinen mit Sensoren nach. Zusammen mit einem Maschinenbauer entwickelt die Firma zudem Anlagen, in denen die KI bereits verbaut ist.
50
Prozent weniger Reklamationen verzeichnet das Unternehmen. Die bessere Qualität zahlt sich aus, für den Mittelständler und seine Kunden.
Text: Anja Holtschneider
Foto: PR
Mark und Nils Becker
Geschäftsführer Gebr. Becker Energie- und Versorgungstechnik
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 182:

Mark und Nils Becker

Geschäftsführer Gebr. Becker Energie- und Versorgungstechnik

Das Problem
Auf den Baustellen fehlt Mitarbeitern mit Migrationshintergrund trotz Deutschkursen oft das Verständnis für die Fachsprache der Kollegen und Begriffe der Gebäudetechnik.
Die Lösung
Die Unternehmer-Cousins aus dem nordrhein-westfälischen Höxter finden im nahen Holzminden einen Weiterbildungsanbieter, der neben den Schulungsräumen eine eigene Werkstatt hat. Die Sprachschüler wenden dort nach Stunden mit Frontalunterricht frisch erlernte Begriffe an Maschinen und mit Werkzeugen direkt an. Das bessere Verständnis erhöht später Effizienz und Sicherheit im Arbeitseinsatz auf den Baustellen.
Die Umsetzung
Vier Becker-Mitarbeiter aus Polen, Russland, Italien und dem Irak haben Mitte 2020 in einem zweimonatigen Vollzeitkurs „gute Fortschritte“ gemacht, sagt Mark Becker. Ein fünfter aus Syrien kenne nach einer Teilnahme 2021 nun auch das „Rückschlagsventil der Gasflasche“. Becker hält „praxisorientierte Deutschkurse für wichtig, wenn wir den Mangel an Fachkräften verstärkt durch Zuwanderung ausgleichen wollen“.
50
Prozent der Löhne, die das Unternehmen während der Sprachkurse weiter zahlt, übernimmt die Agentur für Arbeit. Rund zehn Prozent der 145 Becker-Mitarbeiter haben eine andere Muttersprache als Deutsch.
Text: Harald Schumacher
Foto: PR
Robert Dahl
Geschäftsführer bei Karls
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 181:

Robert Dahl

Geschäftsführer bei Karls

Das Problem
Erdbeerbauer Dahl muss wegen der Pandemie seine fünf Erlebnisdörfer immer wieder schließen. Die Zahl der Besucher geht zurück. Der Umsatz bricht ein.
Die Lösung
Wenn die Besucher nicht mehr zu Karls kommen können, muss Karls eben zu den Besuchern gehen. Dafür baut der Bauer seinen Onlineshop aus. Als Vorbild dient die chinesische E-Commerce-Plattform Taobao: Karls Erdbeerwelt hält mit einer Art Live-Tele-Shopping im Internet in die deutschen Wohnzimmer Einzug, präsentiert seine Produkte auf seinem eigenen Kanal – und die Zuschauer sind immer nur ein paar Klicks vom Einkauf entfernt.
Die Umsetzung
Im Januar 2021 startet das Angebot. Und findet schnell sein Publikum. Mittlerweile sendet Karls sieben Tage die Woche, bis zu 84 Stunden. Es gibt 30 verschiedene Formate. Zuschauer erhalten Dekotipps, Rezeptideen und Blicke hinter die Kulissen der Erdbeerfarm. Die Sendungen werden über soziale Netzwerke und über eine eigens entwickelte App gestreamt. 1200 Menschen schauen pro Sendung zu – und kaufen Erdbeerprodukte ein.
40
40 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftete der Onlineshop 2021. Dahl verdankt den Zuwachs vor allem der persönlichen Vorstellung der Produkte.
Text: Anja Holtschneider
Foto: PR
Astrid Schulte
Vorstandsvorsitzende bei Berendsohn
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 180:

Astrid Schulte

Vorstandsvorsitzende bei Berendsohn

Das Problem
Der 1833 gegründete Händler für Werbeartikel war seit 2012 nicht mehr profitabel. Kunden wechselten vermehrt zur günstigeren Konkurrenz im Internet.
Die Lösung
Astrid Schulte erkannte: Ihr Vorteil ist der direkte Draht zu Kleinunternehmern – aber auch die wollen nicht immer vor Ort besucht werden. Ab 2017 gab es deshalb auch Beratung über Telefon und Internet. Und sie verkaufte nun nicht mehr nur Kaffeetassen. Schulte machte den Warenhändler zur Marketingagentur mit Rundum-sorglos-Paket – auch im digitalen Raum, mit individueller Webseite und Präsenz in den gängigen Suchmaschinen.
Die Umsetzung
Schulte digitalisierte sämtliche Prozesse bei Berendsohn, ließ Bestellungen zentral in ein System einlaufen. Sie setzte Schulungen für Mitarbeiter auf, führte eine Telefonzentrale für Kundenberatung ein – und einen Onlineshop. Bei Vor-Ort-Besuchen bekamen ihre Vertriebsmitarbeiter nun ein iPad an die Hand anstatt eines angestaubten Musterkoffers. Was die Kundschaft goutierte: 2021 war Berendsohn erstmals seit sieben Jahren profitabel.
10
Prozent seines Umsatzes erzielt Berendsohn heute mit digitalen Werbeartikeln. Vor wenigen Jahren kam so manche Kundenbestellung noch per Fax.
Text: Tobias Gürtler
Foto: PR/Arne Weychardt
Marion Steinberg
Inhaberin der NaturHotel Wildewiese GmbH
Im Nahkampf mit der Disruption
Teil 179:

Marion Steinberg

Inhaberin der NaturHotel Wildewiese GmbH

Das Problem
Lüften, lüften, lüften. Eine der goldenen Coronaregeln. Nur was, wenn es manchen Gästen zu kalt wird? Die Hotelbetreiber eröffnen ein Restaurant – und fürchten Streit im Lokal.
Die Lösung
Die Raumluft des Restaurants wird laufend kontrolliert, soll jederzeit „frisch“ sein. Und jeder Gast soll das auf einen Blick sehen können – mithilfe eines Geräts, das den CO2-Gehalt der Luft misst und anzeigt. Internetshops führen kein passendes Modell für das Naturhotel. Deshalb baut die Tochter, eine Biologin, die gerade ihren Master in Informatik absolviert, kurzerhand den Prototyp einer CO2-Ampel in Form eines Kolibris.
Die Umsetzung
Eine Behindertenwerkstatt liefert zu; den Sensor zum Messen der Raumluft kaufen die Steinbergs von Bosch. Und einen 3-D-Drucker für die hausinterne Produktion des leuchtenden Kolibris legt sich das Hotel selbst zu, ebenso einen Lasercutter. Das Ergebnis: Leuchtet der Kolibri grün, ist genügend Sauerstoff im Raum. Leuchtet der Kopf gelb oder rot, sollte man lüften. Den Gäste gefällt es. Inzwischen wird der Kolibri für rund 300 Euro auch verkauft.
50
CO2-Ampeln in der Form eines leuchtenden Kolibris haben die Erfinder in den ersten zwei Monaten verkauft.
Text: Annina Reimann
Foto: PR
Jede Woche stellt die WirtschaftsWoche in einer eigens dafür geschaffenen Rubrik ein besonderes mittelständisches Unternehmen vor. Im Laufe des vergangenen Jahres entstand auf diese Weise eine kleine Galerie von Entrepreneuren, von Menschen, denen es gelungen ist, in ihrem Unternehmerleben eine Herausforderung kreativ, klug und mutig zu meistern. 

Zu den Helden des Mittelstands 2021

Zu den Helden des Mittelstands 2020

Zu den Helden des Mittelstands 2019

Zu den Helden des Mittelstands 2018

Und falls Sie Macher, Schaffer, Unternehmer kennen, die zu Helden taugen, freuen wir uns auf Ihre Vorschläge.

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