Der Ursprung meiner Karriere
Ob Studium, Hobby oder erster Job – die verschiedenen Stationen im Leben prägen nicht nur die Persönlichkeit eines Menschen, sondern auch seine Karriere. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft berichten, wie sie wurden, was sie sind.

Hans-Ewald Reinert

Ob im Tennis oder im Geschäft, für mich gilt immer: Der letzte Ball entscheidet
Hans-Ewald Reinert
Fleischfabrikant und Erfinder der Bärchen-Wurst
Aufgeben
Eigentlich wollte ich Tennisprofi werden, aber nachdem ich mit 13 Jahren meine Bewertung auf der Trainerbank fand, ließ ich es bleiben: Sehr ehrgeizig, aber nicht genug Talent für eine Profikarriere, stand da. Wenig später zerlegte ich schon Schweinehälften, arbeitete nach der Schule zweimal pro Woche in der Fabrik meines Vaters. Das Geld steckte ich in eine Yamaha-Hi-Fi-Anlage.
Gruseln
Im BWL-Studium kam ich rum in der Welt: Bei einem Praktikum in China verlor ich viele Kilos, weil das Essen so gruselig war, dass ich mich nur von harten Keksen ernährte. Das hatte ich als Überlebensstrategie beim Militär gelernt. Später bei einem weiteren Praktikum in der Traditionsmetzgerei Vinzenz Murr in München sprach ich als einziger Englisch: Eine Amerikanerin kaufte nur bei mir – mit Riesenbons über 180 Mark.
Anpacken
Mit der Maueröffnung begann mein erster Job im Familienunternehmen. Ich wollte die Fleischtheken im Osten erobern, fuhr die Wurst in Görlitz und Dresden selbst aus. 17 Millionen Mark Umsatz schaffte ich im ersten Jahr. Nur mit Thekenware, Abgepacktes gab’s noch nicht. Den nächsten Schub brachte meine Bärchenwurst. Und beim Tennis habe ich es immerhin zum Clubpräsidenten gebracht.
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: PR
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn

James
Dyson

Wenn ich ein neues Ding rausbringe, denke ich nicht daran, wie viel Geld ich damit verdienen könnte. Geld hat mich nie angetrieben.
James Dyson
Britischer Staubsaugermilliardär
Entdecker
Als Kind (vordere Reihe, Mitte), das im ländlichen Norfolk in England und obendrein in einer Familie von Geisteswissenschaftlern aufwuchs, wusste ich nicht einmal, was ein Ingenieur ist – geschweige denn, dass ich eines Tages einer werden würde. Ich hatte ja noch nie einen getroffen! Nach der Schule zog ich nach London und entdeckte sehr schnell, wie erfüllend die Welt des Designs und der Technik sein kann.
Erfinder
Mein erstes Projekt als Ingenieur war der Sea Truck – ein schnelles militärisches Sturmboot, das von dem britischen Erfinder Jeremy Fry erschaffen wurde. Fry war eine wahre Inspiration für mich. Er ließ mich völlig frei arbeiten, übertrug mir von Anfang an große Verantwortung, was für mich den Grundstein legte, einmal selbst ein Unternehmen zu leiten. Learning by doing – diese Maxime gilt für alles, was ich bisher getan habe.
Entrepreneur
Anfangs wollte ich nur einen Staubsauger bauen, der besser funktioniert. Das war alles. Bis das erste Modell richtig lief, habe ich in meiner Werkstatt 5127 Prototypen gebaut. 5126 Mal scheitern und von vorn beginnen. Viele hätte das vielleicht frustriert. Ich sah eine Chance, zu lernen. Heute bietet Dyson auch Leuchten, Händetrockner, bald sogar ein Elektrofahrzeug an. Meine Motivation blieb unverändert: Ich will Probleme lösen.
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: Mauritius Images/Carta Image/Alamy, Privat (2), dpa
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn & Sara-Verena Adamsky
Produziert mit Storyflow

Manfred
Bissinger

Ich bin immer sehr ehrgeizig gewesen und wollte aus allem immer das Beste machen.
Manfred Bissinger
Publizist
Ausdenken
Als Kind ließen mich meine Eltern aus meinem dicken Märchenbuch immer ein paar Seiten lesen und dann die Geschichte selber weitererzählen. Das förderte meine Fantasie. Schon damals wollte ich immer alles ganz genau wissen. Diesem Antrieb bin ich mein Leben lang gefolgt. Meine journalistische Karriere begann in Oberschwaben. Von dort zog es mich weiter nach Hamburg.
Aufklären
1967 engagierte mich Henri Nannen (Bild Mitte) für den „Stern“. Meine Aufgabe: die Leserbriefredaktion. Ich wollte investigativer Reporter werden, da war das natürlich nicht meine Traumstelle. Ich konnte sie als Sprungbrett nutzen und habe viel von Nannen gelernt: Er hatte ein Gespür für die Stimmung im Land. Er brüllte auch schon mal. Aber das ging vorbei. Und vor allem: Er vergaß sofort.
Anstoßen
1993 gründete ich gemeinsam mit Thomas Ganske ein eigenes Blatt: „Die Woche“. Wir wollten für das wiedervereinigte Deutschland die Debatten zu Politik, Wirtschaft und Kultur befördern. Unsere Haltung: links der Mitte. „Die Woche“ hat Zeitungsgeschichte geschrieben. Mit 73, vor fünf Jahren, wurde ich noch mal Unternehmer: Ich machte mich mit einer eigenen Agentur selbstständig.
Redaktion: Claudia Tödtmann
Fotos: Privat (3), Picture-Alliance/dpa
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn & Sebastian Feltgen
Produziert mit Storyflow

Stefan
Glowacz

Das ist das größte Privileg der Jugend – früh eine Leidenschaft zu erkennen und gefördert zu werden. Wenn dies zusammenkommt, entstehen außergewöhnliche Karrieren
Stefan Glowacz
Gründer, Profi-Abenteurer
Novize
Meiner Schwester und mir ist das Bergsteigen quasi in die Wiege gelegt worden. Wir sind in der Nähe von Garmisch, nah an den Alpen, aufgewachsen. Ich konnte noch kaum richtig laufen, da nahmen meine Eltern uns schon mit in die Berge. Als ich 13 Jahre alt war, schickten sie mich in einen Kletterkurs – und das war für mich wie eine Offenbarung. Der perfekte Sport, der alle meine Sehnsüchte befriedigte.
Symbolfigur
In meiner Jugend gab es keine Kletterhallen. Die ganze Szene entstand gerade erst. 1985 fand der erste offizielle Wettbewerb in Europa statt, in Bardonecchia in Italien. Und ich gewann. So wurde ich zur Symbolfigur einer neuen Klettergeneration. 1992 gewann ich bei den Olympischen Spielen den Demonstrationswettbewerb, im nächsten Jahr in Tokio wird Klettern nun tatsächlich olympisch.
Motivator
Nach der Wettkampfkarriere habe ich mit Red Chili eine Klettermarke gegründet. Zudem halte ich Vorträge über meine Expeditionen und die Lehren, die man auch als Unternehmer und Manager daraus ziehen kann. Dazu gehört es, nicht aufzugeben – wie 2018, als wir zu dritt zu Fuß mit Zugdrachen 1000 Kilometer quer durch Grönland gezogen sind, bei bis zu minus 40 Grad. Da ist uns die Zeit davongelaufen.
Redaktion: Peter Steinkirchner
Fotos: imago-images, Privat (3)
Gestaltung und Produktion: Marcel Stahn & Sebastian Feltgen
Produziert mit Storyflow
Jochen Kienbaum, Jens Ehrhardt oder Bodo Ramelow: Entdecken Sie weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft.

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